Kommentar zu 15.000 Facebook-Freunden: Die Kehrseite der Medaille

15.000 Facebook-Likes für die MT-Seite - das ist ganz schön viel und darüber freuen wir uns aufrichtig. Weniger freuen wir uns des öfteren über den in manchen Kommentaren angeschlagenen Ton.

15.000 Facebook-Likes für die MT-Seite – das ist ganz schön viel und darüber freuen wir uns aufrichtig. Weniger freuen wir uns des öfteren über den in manchen Kommentaren angeschlagenen Ton.

Es ist eine magische Zahl, auf die wir lange hingefiebert haben: 15.000 Facebook-Freunde hat das Mindener Tageblatt seit dieser Woche. Das sind 15.000 mehr als noch vor sechs Jahren und ein Grund, stolz zu sein. Das MT gehört damit zu den wichtigsten Facebook-Nachrichtenkanälen der Region, fast 40.000 Menschen können die Links und Postings der Redaktion durch die Teilen-Funktion täglich sehen.

Leider hat die Medaille wie so oft auch eine Kehrseite und die ist mittlerweile so prominent, dass es manchmal schwerfällt, sich an die vielen guten Seiten zu erinnern. Die Diskussions-Kultur ist auf Facebook in den vergangenen Jahren immer respektloser geworden, und das zehrt nicht nur an den Nerven der Leser, die sich sachlich zur Diskussion äußern wollen, sondern sorgt auch zunehmend für schlechte Stimmung in der Redaktion. Der Satz „Woher kommt nur dieser ganze Hass?“ ist keine Seltenheit mehr.

Das geht so weit, dass wir uns als Redaktion mittlerweile zwei Mal überlegen, welche Themen wir im Sozialen Netzwerk teilen und auf welche wir lieber verzichten – eine Entwicklung, die wohl an niemandem so sehr nagt wie an uns selbst. Denn eigentlich wollen wir uns von Menschen, die respektlos agieren und Diskussionen mit Schimpfworten und Hetztiraden bombardieren, nicht vorschreiben lassen, welche Themen wir auf die Facebook-Agenda setzen.

Es gibt jedoch Tage, da beschäftigt sich ein Mitglied der Online-Redaktion mit nichts anderem als der Moderation und dem Löschen von unangebrachten oder strafbaren Kommentaren. In einem Team von drei Redakteuren ist das nur schwer zu kompensieren. Und da drängt sich auch die Frage auf: Sind diese Menschen es wert, unsere gesamte Zeit zu opfern oder konzentrieren wir uns lieber auf die, die sich konstruktive Gedanken machen, diese aber in der Masse von Dummheit und Hetze nicht äußern wollen?

Es gibt Tage, da wird die Entlassung mancher Kollegen gleich mehrfach gefordert, sie werden als Primaten beschimpft, öffentlich bloß gestellt, manchmal wird Kollegen mit Gewalt oder unspezifizierten „Konsequenzen“ gedroht. In der Regel tun das diejenigen, die selbst nur unter einem Pseudonym auf Facebook unterwegs sind. Respektlosigkeit ist einfach, wenn das Gegenüber sich nicht wehren kann.

Manchmal ist es schwer, da nicht die Lust zu verlieren und sich immer wieder vor Augen zu führen, wie nah uns Facebook unseren Lesern gebracht hat und wie viele von ihnen in ständigem und gutem Kontakt zu uns stehen. Wir treten deshalb jetzt die Flucht nach vorn an und löschen rigoros alle Unverschämtheiten gegen uns und andere. Auf dass sich diejenigen, die mitdenken und konstruktive Kritik äußern wollen, wieder trauen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Von Nina Könemann, Online-Redaktion

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