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Drei Fragen an … Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH – „Von Langeweile kann keine Rede sein“ (#200in365, No.88)

Dr. Jörg-Friedrich Sander ist überzeugt von Mindens Charme. Foto: Alex Lehn

Minden attraktiv machen, das möchte die Minden Marketing GmbH. Geschäftsführer Dr. Jörg Friedrich Sander findet, dass in der Stadt sehr viel mehr los ist, als einige Einheimische meinen.

Der Mindener Weihnachtsmarkt ist gestartet. Laut einer Befragung von 2012 ist er „langweilig“. Können Sie das verstehen?

Diesen Status haben wir längst abgelegt – sollte er je gestimmt haben. Wir haben die vermutlich größte begehbare Tanne, es gibt Selfie-Points, der Nikolaus kommt jedes Jahr mit einem anderen Gefährt, es gibt ein großes Programm. Von Langeweile kann keine Rede sein.

Wer mit Mindenern spricht, hört immer wieder es sei nichts los. Woran liegt das?

Einige haben leider nicht das beste Bild von ihrer Stadt. Tatsächlich haben wir 90 Veranstaltungstage im Jahr, das ist eine Menge gemessen an der Größe. Viele Veranstaltungen ziehen Menschen von weiter weg an. Die Gourmet-Meile zum Beispiel oder die Reenactor-Messe. Mit einigen Dingen waren wir die ersten: die erste Stadt mit freiem WLAN, mit QR-Codes im Boden oder mit einem per App steuerbaren Stadtbrunnen.

Was ist ihr zentrales Ziel für Minden?

Es geht vor allem darum, Austausch zwischen Menschen zu ermöglichen, Kommunikation herzustellen. „Martini um 12“ ist so ein Format – es gibt Musik und Menschen treffen sich. Es geht nicht mehr nur um Konsum, sondern darum, etwas in der Stadt zu erleben und sich zu begegnen.

Von Benjamin Piel, Chefredakteur

Erst eins, dann zwei, dann 20.000 – Mirko Kuberkiewicz liebt Weihnachten. Das sieht man dem Garten seiner Familie an. Dort leuchten im Advent tausende Lichter. Und die Stromkosten? (#200in365, No.87)

Mirko Kuberkiewicz kann von Weihnachtsbeleuchtung nicht genug bekommen. Foto: Benjamin Piel

Mirko Kuberkiewicz kann von Weihnachtsbeleuchtung nicht genug bekommen. Foto: Benjamin Piel

Es gibt Leute, die holen zur Adventszeit zwei Lichterketten aus dem Keller und hängen sie sich ins Fenster. Darüber kann Mirko Kuberkiewicz nur müde lächeln. Seine Weihnachtsvorbereitungen beginnen, wenn andere noch mal auf gutes Wetter an der Ostsee hoffen: mitten im September.

Dann fängt der Mindener an, einen Kilometer Kabel im Garten zu verlegen, stattet die Hecken mit Lichterketten aus, stellt Figuren auf, Laserleuchten, Laternen, Leuchtsterne. Alles geht, was Teil des Lichtermeers werden kann. Wenn er nach geschätzt zwölf Arbeitstagen mit dem Dekorieren fertig ist, flackern nicht ein paar Funzeln im Garten, sondern es strahlen 20.000 Lämpchen.

Weihnachten und Beleuchtung hat der 24-Jährige schon immer geliebt. Vor neun Jahren fing er klein an, dekorierte den Garten in der Minderheider Leuthenstraße mit den ersten fünf, sechs Lichterketten. Seitdem darf es von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr sein. Dass Kuberkiewicz als Kommissionierer in einem Baumarkt arbeitet, kam der Sache entgegen. Viele Dinge, die er für die Deko braucht, bekommt er dort. „Ich setze mir jedes Jahr ein Limit und überschreite es“, sagt er und lacht. Irgendwas um die 800 Euro investiere er pro Jahr. In diesem Jahr hat er zum ersten Mal einen 3D-Baum aus Lichterketten, die über einem Holzrahmen hängen, aufgebaut, einen vier Meter hohen Leuchtstern und eine Wichtelhütte. Wie viel Geld er insgesamt in den Weihnachtsgarten der Lichtexzesse investiert hat, kann er nicht sagen, schätzt rund 5.000 Euro.

Und was sagen die Nachbarn, wenn in ihrer Nähe mehr als fünf Wochen lang so viele Lichter leuchten wie sonst nur in ganz Minderheide zusammen? „Die Reaktionen sind durchweg positiv, manche freuen sich schon im Sommer auf den beleuchteten Garten“, sagt Kuberkiewicz. Die Beleuchtung sei ja auch nur von 17 bis 22 Uhr an. Einmal allerdings hatte er einen grellgrün blinkenden Baum aufgestellt, den ließ er im Jahr darauf wieder weg, weil er den Eindruck hatte, das Blinken könnte die Nachbarn gestört haben.

Was Kuberkiewicz in den ersten Jahren nur für sich selbst gemacht hat, das lockt inzwischen bis zu 1.000 Menschen pro Adventszeit an. Vom 30. November bis zum 6. Januar verkaufen er und seine Eltern jeweils zwischen 17 und 20 Uhr Getränke in ihrer Einfahrt. Für den guten Zweck, betont Kuberkiewicz, denn zum einen wolle er etwas Gutes tun und zum anderen brauche er dadurch keine Schankerlaubnis. Im vergangenen Jahr habe er 1.450 Euro an die Aktion „Lichtblicke“ von Radio Westfalica gespendet. Die sogenannte Geschenkehütte, die er in der 33 Quadratmeter großen Garage eingerichtet hat, betreibt er dagegen gewerblich.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, was 20.000 Lämpchen mit der Stromrechnung anrichten. Doch auf dieses Thema reagiert der Weihnachtsbeleuchter gelassen. Er hat den monatlichenAbschlagum20Euro erhöht. Das reiche, um den zusätzlichen Verbrauch in der Adventszeit auszugleichen. Dass der Betrag überschaubar sei, liege auch daran, dass er zu 95 Prozent mit energiesparenden LED-Lichtern arbeite. Und wenn ihm Leute mit Umweltschutz und Stromsparen kommen, hat er auch eine Antwort parat: „Das Lächeln der Menschen ist es mir wert.“

Von Benjamin Piel, Chefredakteur

 

Drei Fragen an … Gerd Borchers, Geschäftsführer des Zentrallagers – „Mit einem Bulli und zwei Arbeitslosen ging es los“ (#200in365, No.86)

Gerd Borchers hätte anfangs nicht mit dem Erfolg des Zentrallagers gerechnet.

Der Verein Zentrallager möchte Menschen zurück ins Arbeitsleben bringen und einen Beitrag dazu leisten, dass weniger Dinge weggeschmissen werden. Die Mitarbeiter entrümpeln Wohnungen, lösen Haushalte auf und verkaufen unter anderem am Hauptstandort am Mindener Grimpenwall gebrauchte Sachen – vom Schrank bis zum Buch.

Dürfen bei Ihnen nur Bedürftige einkaufen?

Nein, ausdrücklich nicht. Bei uns kaufen auch Studenten, junge Menschen, Sammler, Wiederverkäufer, Frauen, die vielleicht einen Teller aus einer GeschirrSerie suchen, die nicht mehr produziert wird. Das Spektrum der Kunden ist sehr breit.

Wie ist der Verein entstanden?

Das war vor 35 Jahren. Damals standen wir vor der Situation, dass Bedürftige, die Möbel brauchten, diese nicht von Leuten, die sie loswerden wollten, abholen konnten. Und eine Möglichkeit, die Möbel einzulagern, gab es auch nicht. Aus dieser Not heraus ging es mit einem Bulli und zwei Arbeitslosen los.

Hätten Sie damals gedacht, dass dieses Projekt so lange bestehen würde?

Niemals. Aber es war von Anfang an ein großer Erfolg. Kaum hatten wir einen Telefonanschluss, da haben uns die Leute auch schon regelrecht zugeschüttet mit Arbeit. So wuchs und wuchs das Projekt. Schon nach kurzer Zeit waren wir acht Mitarbeiter, inzwischen sind es 93. Wir bekommen mehr Anfragen, als wir Plätze zur Verfügung stellen können.

Von Benjamin Piel, Chefredakteur