MT-Stadtgespräch führt hinter die Kulissen der Siegfried-Produktion im Stadttheater

Unter dem Drachenkostüm verbergen sich Produktionsassistentin Simone Rau und Schüler des Rats-Gymnasiums, hier mit Monika Jäger.

Minden (hel). Stadtgespräch im Stadttheater. Die beiden MT-Redakteurinnen Monika Jäger (Lokales) und Ulla Koch (Kultur) hatten einige der Protagonisten der Siegfried-Inszenierung eingeladen, um rund einhundert interessierten Gästen einen Einblick in die aktuelle Produktion zu gewähren.
In seiner gewohnt launigen Art berichtet Frank Beermann aus der Sicht des Dirigenten. Nicht der Taktstock sei sein wichtigstes Instrument, sondern sein Hirn. Der Taktstock sei fordernd und wirke oft hemmend. Chorleiter verzichteten deshalb ganz auf ihn. Das Partiturstudium ist laut Beermann das Entscheidende.
Er gibt Auskunft, dass man die Schlagtechnik zwar relativ schnell erlernen könne: „Der Erste geht runter, der Letzte geht rauf.“ Worauf es aber wirklich ankommt, Ausstrahlung und Körpersprache, sei nur in der tatsächlichen Praxis zu erlernen.
Darüber hinaus sei der Dirigent Koordinator, Moderator und Motivator. Ein Klatschexperiment mit dem Publikum belegt, dass Koordination ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Dirigenten ist.
Nicht ganz einfach sei die Arbeit auf der Mindener Opernbühne auch deshalb, da die Sänger in Beermanns Rücken agierten und er nur über Kamera und Bildschirm mit ihnen kommunizieren könne. Durch den hohen Schalldruck des Orchesters könne er die nach vorne agierenden Sänger zudem nur schwer hören. Dann lässt Beermann den Gazevorhang hochfahren und erläutert die Besonderheiten des Mindener Modells, mit dem auf der Bühne platzierten Orchester und der Anordnung in Form eines Atriums.
Renatus Mészár, der Mindener Wotan, der Mitglied im Ensemble des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe ist, lobt die angenehme Atmosphäre in Minden: „Man arbeitet konzentriert und hat das Gefühl, im Urlaub zu sein.“ Wagner ist sein Lieblingskomponist, eine Lieblingsoper oder eine favorisierte Partie hat er jedoch nicht, er schätzt sie alle. Während des Studiums der Kirchenmusik hat er seine Liebe zum Gesang entdeckt und das Fach gewechselt.
Die Produktionsassistentin Simone Rau führte zu den Klängen des Siegfried-Idylls einige Kunststücke und Zaubertricks vor und sorgte damit für viel Kurzweil. In der Inszenierung schlüpft sie in verschiedene Kostüme, spielt den Bären und den Kopf des Drachens. Gemeinsam mit Peter aus dem Publikum klärt sie die Männer im Auditorium auf, wie Frauen ticken und inszeniert eine „Symphonie des Staunens“: „ Oh, ah, wow, magic!“
Schließlich betritt auch Jutta Hering-Winckler die Bühne. Sie ist als Vorsitzende des Mindener Wagner Verbandes Herz und Seele der Wagner-Produktionen, die bereits vor 15 Jahren mit dem „Fliegenden Holländer“ begannen. Sie dankt den Redakteurinnen für das begleitende Engagement des Mindener Tageblatts und erläutert darüber hinaus, warum ihr die Beteiligung von Schülern und Schulvorstellungen wichtig sind.
Am Ende wirft sie einen Blick in die Zukunft: Für die Aufführung des gesamten Rings als Zyklus im Jahr 2019 liegen bereits Kartenbestellungen aus London und Australien vor.
Die Darstellung des Drachens durch Schüler des Ratsgymnasiums rundet unterhaltsame neunzig Minuten ab, die viele interessante Einblicke in die Arbeit vor, hinter und auf der Opernbühne zu geben vermochte.

 

Wagner in Minden

Seit 2002 bringt der Richard Wagner Verband Minden gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Philharmonie und dem Mindener Stadttheater Werke des Komponisten auf die Bühne des Mindener Stadttheaters. 2002 war es „Der fliegende
Holländer“, 2005 „Tannhäuser“, 2009 „Lohengrin“ und 2012 „Tristan und Isolde“.

Seit Herbst 2015 wird die Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ inszeniert. In diesem Jahr ist „Siegfried“ an der Reihe, 2018 „Götterdämmerung.“ Für das Jahr darauf ist die Aufführung des gesamten „Rings“ geplant.

 

Von Christian Helming, freier Mitarbeiter im Ressort Kultur

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