Wenn’s in der Gerüchteküche brodelt: Wie wir uns bemühen, an die Fakten heranzukommen

 

Ein erfolgreicher Facebook-Post über vermeintliche Flüchtlingsagressionen gegenüber Frauen im Mindener Kaufland – und was die MT-Redaktion dazu an Fakten herausfinden kann. Ein Anschauungsbeispiel für das Thema Recherche. Repro: MT

Über Flüchtlinge wird sich viel erzählt. Und wie das beim Erzählen eben so passiert, reicht vielen die Tatsache des Gehört- (oder auf Facebook Gelesen-)habens als Beleg für die erzählte Geschichte. So werden aus Gerüchten vermeintliche Fakten.

Und wie das wiederum so ist mit Gerüchten: einmal in der Welt, sind sie von noch so viel Fakten kaum noch in ihrer Existenz zu gefährden. Schon deshalb, weil manches Gerücht von manchen Zeitgenossen auch deswegen so gerne weitererzählt wird, weil sie genauso gerne glauben möchten, dass es eigentlich eine Tatsache ist.

Regelmäßig schlagen Gerüchte im Zustand des Schon-für-Fakten-Gehaltenwerdens in der MT-Redaktion auf. Das ist für Zeitungsredaktionen nichts ungewöhnliches und gab es auch vor der Flüchtlingskrise schon. Mit deren Einsetzen allerdings ist das Gerüchtebarometer geradezu explodiert.

Geduldig überprüfen die Kolleginnen und Kollegen vor allem der Lokalredaktion immer wieder zumindest solche Hinweise, die nicht schon gleich als „alte Bekannte“ grüßen. Schließlich können Gerüchte ja auch durchaus ein Körnchen (oder mehr) Wahrheit enthalten. Manchmal kommt sogar eine Berichterstattung dabei heraus. Bisher ist uns in Sachen „Flüchtlinge“ allerdings auf diesem Wege noch keine Information untergekommen, die einer genaueren Überprüfung des ursprünglich Behaupteten standgehalten hätte.

Nadine Conti, Monika Jäger und Stefan Koch erzählen heute auf der Seite 3 die Geschichte einer Recherche, die sie anlässlich eines besonders erfolgreichen heimischen Facebook-Posts zum Thema „Flüchtlinge“ unternommen haben (es ging um angebliche sexuelle Agressionen gegen Frauen in der Mindener Kaufland-Filiale). Wir veröffentlichen das auch deshalb, um die Arbeit der Redaktion zu verdeutlichen – und um an einem konkreten Beispiel zu zeigen, wie „Recherche“ geht. Das franzöische Wort bedeutet in der deutschen Übersetzung „Suche“. Und das ist es, was wir in unserer Redaktion, was auch andere Medien in ihren Redaktionen tun: nach Informationen suchen.

Denn das sollten unsere Leserinnen und Leser wissen: Die von uns veröffentlichten Fakten sind auch welche – und wenn wir etwas nur vom Hörensagen wissen, schreiben wir das und die Quelle dazu. Übrigens nicht nur beim Thema „Flüchtlinge“.

Die Geschichte zu diesem Blogbeitrag gibt’s hier (+): http://www.mt.de/lokales/minden/20711806_Was-ist-an-Fluechtlings-Geruechten-dran.html

Von Christoph  Pepper, Chefredakteur

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