„Verantwortliche Absenderschaft“ ist das Prinzip Zeitung auch in der Digitalen Welt: Bericht vom Zeitungskongress 2016 in Berlin


„Eine Demokratie braucht unabhängige, kritisch recherchierende Journalisten.“ Matthias Döpfner, neuer Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), machte gleich zu Anfang seiner ersten öffentlichen Rede im neuen Amt anlässlich des Zeitungskongresses 2016 in Berlin deutlich, welche Motivation ihn dabei antreibt: „Ich will, dass Journalismus eine Zukunft hat. Ich möchte, dass Verlage auch in der digitalen Welt noch eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle spielen. Und ich werde deshalb dafür kämpfen, dass Verlage auch im Jahr 2050 noch ein gesundes und attraktives Geschäftsmodell haben.“ Diese Verbindung ist ihm wichtig, sie durchzieht alle verbandspolitischen Debatten wie ein roter Faden, denn: „Ohne funktionierendes Geschäftsmodell keine gesellschaftspolitische Rolle“.

Die Digitalisierung der Medienwelt hat das traditionelle Geschäftsmodell der Zeitungsverlage vor existenzielle Herausforderungen gestellt. Nicht nur die Zeitungen haben darauf bis heute – trotz aller Wandlungsprozesse und Innovationsanstrengungen – keine endgültige Antwort gefunden. Auch die Medien-und Ordnungspolitik hinkt – auf nationaler wie auf europäischer Ebene – den von der technischen Entwicklung und den neuen Internetriesen wie Facebook und Google längst geschaffenen Fakten deutlich hinterher. Weswegen Döpfner auf dem Zeitungskongress unter anderem eine neue Politik forderte, die der „täglichen Enteignung von Verlagen ein Ende setzen müsse“. EU-Kommissar Günther Oettinger, der Döpfner auf dem Rednerpult folgte, denkt da mit dem Vorstoß für ein neues europäisches Urheberrecht durchaus in die gewünschte Richtung, will er doch die bereits für die Musik- und die Filmindustrie gefundenen Regelungen auch für die Verlage öffnen. Er forderte dafür allerdings publizistische und politische Unterstützung ein, denn es sei ein „schwieriger Kampf“.

„Die Idee der Zeitung vom Papier emanzipieren“

Die Zukunft der Branche, das ist inzwischen auf Verlegerkongressen unstrittig, liegt gleichwohl im Digitalen. „Wir müssen es hinbekommen, die Idee der Zeitung vom Papier zu emanzipieren“, sagte Döpfner. Das sei mit Blick auf das Jahr 2050 die historische Aufgabe für die Unternehmen. Mit Blick auf frühere Wandlungsprozesse ist sein Anspruch klar: „Ob wir die Kutschenhersteller von gestern oder die Autobauer von Morgen sind, kann ja wohl keine Frage sein – höchstens eine der Ehre“.

Der Vorstandsvorsitzende der Springer AG hob hervor, in aufgeregten Zeiten seien unaufgeregter Journalismus, kritische Recherche und nüchterne Einordnung besonders wichtig. Fehler könnten dabei durchaus passieren. So hätten etwa nach der Silvesternacht von Köln Journalisten und Verleger eine „ganz schlechte Figur“ abgegeben, Reporter hätten nicht gründlich genug recherchiert. Glaubwürdigkeit bedeute auch, die unangenehmen, vielleicht auch politisch inkorrekten Dinge beim Namen zu nennen. „Zeitungen müssen schreiben, was ist.“

Eine Selbstkritik, die Peter Pauls, Chefredakteur des „Kölner Stadtanzeigers“, mit Blick auf die gerade auch nach der Silvesternacht von den örtlichen lokalen und regionalen Medien geleistete Arbeit durchaus nicht stehen lassen wollte. „Wir haben von Anfang an geschrieben, was wir gewusst haben – aber auch, was wir nicht wussten.“ Pauls diskutierte in einer Podiumsrunde unter anderem mit dem stellvertretenden AfD-Sprecher Alexander Gauland, dem Bild-Politikchef Nikolaus Blome, dem Dresdener Politik-Professor Peter Patzelt und der „Wirtschaftswoche“-Chefredakteurin Miriam Meckel darüber, ob der Begriff der „Lügenpresse“ berechtigt sei. 

Gauland warf den Medien in ihrer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise eine „Schere im Kopf“ vor. In der „Flüchtlingseuphorie“ hätten sich viele Journalisten auf die gute Sache gestürzt und keine Empathie für Menschen gezeigt, die Angst gehabt hätten, sagte Gauland bei der Podiumsdiskussion. „Es fehlte die Distanz.“ Blome kritisierte den Schmähbegriff „Lügenpresse“ als „bodenlos“. Natürlich machten Medien Fehler, sie würden sie aber auch korrigieren. Fehler oder Irrtümer seien etwas anderes als eine Lüge, als bewusste Irreführung. Er wies auch den Vorwurf zurück, die AfD sei totgeschwiegen worden.

Im Zweifel grundsätzliches Misstrauen angebracht

„WiWo“-Chefredakteurin Meckel hatte zuvor in einem Impulsvortrag dargestellt, wie vermeintlich weitverbreitete oder gar als mehrheitlich empfundene Meinungen in den jeweils persönlichen Filterblasen des Internet trügen können. Sie riet zur Vorsicht bei der Frage „Was sagt denn das Netz?“. Und sie führte Beispiele für die Notwendigkeit vor, Netzinhalten im Zweifel grundsätzlich zu misstrauen.

Womit der inhaltliche Bogen zur Eröffnungsrede Döpfners geschlossen war, der das Prinzip Zeitung als Prinzip der „verantwortlichen Absenderschaft“ beschrieben hatte – im ganz wörtlichen juristischen wie im übertragenen gesellschaftspolitischen, publizistischen Sinn. Verlage übernähmen, auch im Internet, Verantwortung dafür, dass die von ihnen publizierten Inhalte stimmten. Dieses Prinzip gelte es auch in der digitalen Welt mit aller Entschlossenheit zu verteidigen.

Das MT als Local Hero

Der zweite Kongresstag war den Entwicklungen am Zeitungs- und am Medienmarkt gewidmet. Das Stichwort ‚Digitalisierung – Wie Unternehmen sich neu erfinden (müssen)‘, wurde bei der Podiumsdiskussion „Bereit zum Change“ zwischen Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Stahlhandelsunternehmens Kloeckner, und der auch für das MT tätigen Medienberaterin Professor Katja Nettesheim im Gespräch mit Christoph Keese, Vizepräsident der Axel Springer AG, thematisiert. Die Impulsrede von Jim Roberts, derzeit Consulting Editor „The Hill“ in Washington D.C. und davor als Change-Manager unter anderem für „Mashable“ und die „New York Times“ tätig, beschrieb am Beispiel US-amerikanischer Verlage den digitalen Umschwung und seine Folgen.

Anschließend wurden drei „Local Heroes“ präsentiert: Unter diesem Titel stellt der BDZV dem Kongress innovative Verlagsprojekte lokaler und regionaler Medienhäuser vor. Hier kam auch das Mindener Tageblatt auf die große Bühne: Sabine Morche, Redaktionsleitung Bruns Medien-Service, brachte dem anwesenden Publikum aus Verlegern, Chefredakteuren, Verlagsmanagern und Fachjournalisten das schon vom Weltverband der Zeitungen ausgezeichnete MT-Projekt „Azubify“ so nahe, dass es im Anschluss gleich zu mehreren Kooperationsanfragen kam. 

Wolfram Kiwit, Chefredakteur der „Ruhr Nachrichten“ (Dortmund) und Bernd Weber, Geschäftsführer mct media consulting team, präsentierten mit „Cockpit“ ein Werkzeug zur Sicherung journalistischer Qualität in der Blattproduktion; Florian Schiller, Geschäftsführer OVB24 GmbH („Oberbayerisches Volksblatt“, Rosenheim), berichtete über Konzept und Erfolg des regionalen Reichweitenportals OVB24. 

Den Newsroom des BDZV beim Kongress übernahmen 15 Nachwuchsjournalisten von der Jugendpresse Deutschland, der Spitzenorganisation der Schüler- und Studentenpresse. Ihre Berichterstattung kann man im Blog http://blog.politikorange.de/ nachlesen. Ihnen war auch der Schlussauftritt des Kongresses gegönnt, als sie nach der Vorstellung des Teams BDZV-Präsident Döpfner live auf der Bühne interviewten.

Von Christoph Pepper mit Material von DPA und BDZV

Eröffnungsrede von Matthias Döpfner im Video (YouTube)

„Azubify“ startet bundesweit durch – MT kooperiert mit Madsack Mediengruppe

Suchmaschinenoptimiert und frisch gestaltet bringt „azubify“ Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchen und Firmen, die qualifizierten Nachwuchs brauchen, jetzt in ganz Deutschland auf moderne Art und Weise zusammen. Immer mehr Unternehmen stehen heutzutage vor der Herausforderung, qualifizierte Nachwuchskräfte auf dem umkämpften Bewerbermarkt zu finden. Hier hatte das Mindener Tageblatt vor zwei Jahren mit einer innovativen Idee Abhilfe geschaffen und wurde dafür mit dem „World Young Reader Prize“ des Weltverbands der Zeitungen ausgezeichnet. Das eigens entwickelte azubify-Quiz verknüpft die persönlichen Profile der Jugendlichen mit den Anforderungsprofilen der Berufe und Unternehmen. Der crossmediale Ansatz verbindet Online-Präsenz mit der Produktion von Print-Magazinen, die redaktionelle Inhalte und Stellenanzeigen des Online-Portals auch analog als Zeitungsleistung verbreitbar machen.

Die Übertragung des Modells auf Verbreitungsgebiete anderer Medienhäuser war von Anbeginn an Bestandteil des Azubify-Konzepts. Früh interessierten sich die MT-Nachbarn „Deister- und Weserzeitung (Dewezet)“, „Schaumburger Zeitung“, „Neue Deister Zeitung“ und „Schaumburg Lippische Landeszeitung“ für das Projekt und setzten es als Lizenznehmer in eigene Online-Seiten und Print-Ausgaben um, mit weiteren Verlagshäusern ist das MT im Gespräch. Zusammen mit Lizenznehmer Madsack Market Solutions wird azubify.de nun bundesweit mit lokalen Einstiegsseiten ausgerollt, sodass freie regionale Ausbildungsstellen, Wissenswertes zum Standort und entsprechende Informationen zu Unternehmen auch regionsübergreifend online auffindbar sind. Das Responsive und SEO-optimierte Onlineportal geht auf das Nutzungsverhalten der jungen Zielgruppe ein, die sich hauptsächlich auf mobilen Endgeräten informiert.

Noch im Oktober 2016 soll die Online-Seite www.azubify.de in neuer Gestaltung live gehen. Bereits im Oktober dieses Jahres beginnt dann die Einführung der lokalen Einstiegsseiten bei der „Peiner Allgemeinen Zeitung“, der „Aller-Zeitung“ und der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“. Die Produkteinführung an weiteren Madsack-Standorten soll bis Herbst 2017 abgeschlossen sein. Die lokalen Verlage übernehmen dann die Vermarktung für Portal und Printmagazin.

Sabine Morche, Redaktionsleiterin von „Bruns Medien Service“, stellt das „Azubify“-Projekt jetzt auch auf dem Zeitungskongress 2016 in Berlin vor. Die Resonanz war positiv, mit weiteren Azubify-Umsetzungen in Deutschland ist zu rechnen.

Minden erneut Anziehungspunkt für Journalisten, Blattmacher und Designer aus Deutschland und Österreich

22 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich trafen sich beim Mindener Tageblatt, um sich von Zeitungsdesigner Norbert Küpper (r.) über Trends in der modernen Zeitungsgestaltung informieren zu lassen. Tipps und Tricks gabs auch. Fotos: Küpper, Lehn.

22 Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich trafen sich beim Mindener Tageblatt, um sich von Zeitungsdesigner Norbert Küpper (r.) über Trends in der modernen Zeitungsgestaltung informieren zu lassen. Tipps und Tricks gabs auch. Fotos: Küpper, Lehn.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und wo Texte platziert werden, ist entscheidend dafür, ob sie vom Leser auch gebührend wahrgenommen werden.  Das ist eine Wahrheit, aber nicht die alleinige: Es müssen nämlich nicht unbedingt Bilder sein, die das Interesse des Lesers wecken sollen. Oft gibt es keine – oder zumindest keine guten, keine, die zur Geschichte so recht passen wollen… Und dann kommen grafische Darstellungen oder bildhaft aufbereitete Info-Grafiken ins Spiel.

Zeitungsdesigner Norbert Küpper, unter anderem Initiator und Ausrichter des „European Newspaper Award“,  hat nach der erfolgreichen MT-Premiere im Jahr 2015 jetzt ein weiteres Mal ein bundesweit und darüber hinaus ausgeschriebenes zweitägiges Seminar in den Räumen des Mindener Tageblattes angeboten. 22 Kolleginnen und Kollegen aus 14 Zeitungshäusern unterschiedlichster Größenordnung und Ausrichtung waren dazu nach Minden angereist.  Sie kamen aus der ganzen Republik, von Nord nach Süd: Heide, Hamburg, Schwerin, Lübeck, Hannover, Detmold, Bielefeld, Münster, Düsseldorf, Heilbronn, Stuttgart. Zwei Teilnehmer kamen aus Österreich, aus Wien und aus Graz.

Die Teilnehmer erhielten dabei mehr als nur Einblicke in die Gestaltung von Seiten: Küpper gab den Journalisten, Blattmachern und Designern zahlreiche hilfreiche Tipps und praktisches Rüstzeug auf den Weg. Schwerpunkte waren die Visualisierung von Themen, das sogenannte Visual  Storytelling sowie alternatives Storytelling.  Visualisierungen, bildliches Erzählen und alternative Erzählformen standen im Mittelpunkt. Zudem ging es um europäische Trends bei der Gestaltung von Zeitungen und Webseiten. Vorgestellt wurde auch die Leser-Wahrnehmung von Zeitungsinhalten  anhand von Küpper selbst angestellten Leseforschung mit Hilfe von Blickaufzeichnungsgeräten.  Spannende Erkenntnisse….

Der Aufbau einer Seite ist schon sehr entscheidend dafür, welches Bild und welcher Text gelesen und angeschaut wird. Eine Erkenntnis: Kurz-Texte mit Bild werden eigentlich immer gut angenommen – und bieten dem Leser eine weitere Möglichkeit, auf der Seite zu verweilen.

Vorträge und praktische Übungen wechselten sich ab, zudem gab es für jede der teilnehmenden Zeitungen Blattkritiken des Veranstalters sowie der Teilnehmer untereinander – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen und der Einsicht vieler Seminar-Teilnehmer, dass es oft anders – besser – gemacht werden kann.

Küpper hat bereits mehrfach mit dem Mindener Tageblatt zusammengearbeitet.  Unter anderem hat er auch die jüngste große Umgestaltung des Mindener Tageblatts im Jahr 2014 in ein adäquates, modernes Zeitungsdesign umgesetzt, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Von Ulrich Geisler, Nachrichtenredaktion

Berichterstattungen über Amoklauf und Terroranschläge: Presserat spricht Rügen aus, weist aber auch Beschwerden zurück. MT nicht betroffen.

Gegen die berichterstattung deutscher Zeitungen im Zusammenhang mit dem Amoklauf von München sowie den Terroranschlägen von Nizza und Würzburg gab es zahlreiche Beschwerden beim Deutschen Presserat - das MT war davon allerdings nicht betroffen. Repro: MT

Gegen die berichterstattung deutscher Zeitungen im Zusammenhang mit dem Amoklauf von München sowie den Terroranschlägen von Nizza und Würzburg gab es zahlreiche Beschwerden beim Deutschen Presserat – das MT war davon allerdings nicht betroffen. Repro: MT

Der Deutsche Presserat, das Selbstkontroll-Organ der deutschen Zeitungen, Zeitschriften und ihrer Onlineangebote,  hat auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 13. und 15. September 2016 wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex insgesamt drei öffentliche Rügen ausgesprochen. Prominente Themen waren die Berichterstattungen über den Amoklauf in München und die Terroranschläge von Würzburg, Istanbul und Nizza.

Amoklauf in München

Es lagen fünf Beschwerden über die Berichterstattung zum Amoklauf in München vor. Diese richteten sich gegen Print- und Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften und bezogen sich auf die identifizierbare Darstellung des Täters und von Opfern.

BILD AM SONNTAG erhielt eine Rüge für die Berichterstattung „Wurden sie in den Tod gelockt?“ Zu sehen war eine Bildergalerie mit Porträtfotos von Opfern. Eine weitere Rüge erhielt BILD Online für den Beitrag „Das sind die Opfer des Amoklaufs“, der ebenfalls Opferbilder enthielt. Der Ausschuss kritisierte, dass beide Veröffentlichungen Fotos zeigten, die ohne Einwilligung der Hinterbliebenen veröffentlicht worden waren. Einige Opfer waren minderjährig. Es handelt sich um einen schwerwiegenden Verstoß gegen Richtlinie 8.2. des Kodex, nach der die Identität von Opfern besonders zu schützen ist. Die Hinterbliebenen der Verstorbenen sollten nicht unvermittelt mit Fotos ihrer toten Angehörigen konfrontiert werden. „Nicht alles, was in sozialen Netzwerken verfügbar ist, darf auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. Die eigene Darstellung, z. B. in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine Medienöffentlichkeit“, sagte die Vorsitzende des Ausschusses 2, Katrin Saft.

Als zulässig hingegen bewertete der Ausschuss die Darstellung des Täters mit Name und Foto. Die Tat in München hatte ein großes öffentliches Interesse ausgelöst und Fragen nach dem Motiv und nach den Hintergründen der Tat aufgeworfen. Das öffentliche Interesse am Täter ist höher zu bewerten als der Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Kodex, die Darstellung war presseethisch akzeptabel, urteilte der Beschwerdeausschuss.

Terroranschläge Würzburg, Nizza, Istanbul

Identifizierende Angaben zum Täter waren auch der Grund für drei Beschwerden gegen die Online-Ausgaben von Zeitungen zur Berichterstattung über die Attacke in einem Regionalzug in Würzburg. Die Darstellung mit Name und Foto hielt der Ausschuss aufgrund des großen öffentlichen Interesses an der Tat und den damit verbundenen politischen Zusammenhängen für zulässig.

Gegen die Berichterstattung über den Terroranschlag am Flughafen in Istanbul lagen ebenfalls zwei Beschwerden vor. Diese richteten sich gegen die Online-Ausgaben einer Zeitschrift und einer Zeitung. Presseethisch zulässig waren aus Sicht des Ausschusses Fotos, die die dramatische Gesamtszenerie am Flughafen zeigten – zu sehen waren auch Leichen aus der Distanz. Diese Bilder dokumentieren die schreckliche Realität dessen, was sich ereignet hat, überschreiten jedoch nicht die Grenze zur Sensationsberichterstattung, urteilte der Ausschuss. Missbilligt wurde jedoch die Online-Ausgabe einer Zeitung, weil sie zwei Aufnahmen zeigte, auf denen verletzte Kinder identifizierbar und in Nahaufnahme zu sehen waren. Diese Fotos missachten den Opferschutz.

Berichterstattungen über die LKW-Attacke an der Promenade in Nizza beschäftigten den Ausschuss ebenfalls. Diskutiert wurde die Beschwerde gegen ein Foto in einer Tageszeitung, das Leichen auf dem Asphalt zeigte, fotografiert aus der Distanz. Die Grenze zur Sensationsberichterstattung wird nicht überschritten, urteilte der Ausschuss. Das Foto dokumentiert die schrecklichen Folgen der Attacke. Auch ein Augenzeugen-Video mit Szenen des Angriffs hielt der Ausschuss für noch akzeptabel. Es handelt sich zwar um schockierende Eindrücke, Menschen werden jedoch nicht zum Objekt herabgewürdigt oder Persönlichkeitsrechte verletzt, so der Ausschuss. Das Video erschien in der Online-Ausgabe einer Tageszeitung.

Video zeigt Messerattacke – Darstellung unangemessen sensationell

Für die Veröffentlichung eines Videos einer Messer-Attacke in einem Dortmunder Kaufhaus erteilte der Beschwerdeausschuss BILD Online eine öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Ziffer 11 des Pressekodex. Der Beitrag unter der Überschrift „Brutale Messerattacke auf Video aufgenommen“ zeigt den Handymitschnitt eines Passanten, auf dem das Opfer zu sehen ist, wie es mit einem Messer im Rücken blutend auf dem Boden liegt. Diese Passage wurde sogar mehrfach wiederholt. Im Hintergrund sind die Schreie einer Frau zu hören. Die Berichterstattung hält der Beschwerdeausschuss für eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt. 

Quelle: Presserat

Ehrenamtlich im Einsatz für das Wohl von Kindern

Thomas Bouza Behm (l.) stand beim Spielfest des Kinderschutzbundes anlässlich des Weltkindertages Rede und Antwort. Fotos: Kerstin Rickert

Thomas Bouza Behm (l.) stand beim Spielfest des Kinderschutzbundes anlässlich des Weltkindertages Rede und Antwort. Fotos: Kerstin Rickert

Viele Mitarbeiter des Mindener Tageblatts und seiner Tochter- und Schwesterfirmen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Einer von ihnen ist Thomas Bouza Behm, Chef unserer Medienvermarktung. Seit 16 Jahren ist er Vorsitzender des Mindener Kinderschutzbundes e.V., einer der größten Gliederungen dieses gemeinnützigen Vereins bundesweit. In dieser Position leitet, bewegt und begleitet er eine Fülle von Projekten. Anlässlich des Weltkindertages, über den das MT gestern mit einem Zustandsbericht über die Lage armer Kinder in Minden berichtete, hat unsere Mitarbeiterin Kerstin Rickert ihn interviewt:

Interview mit Thomas Bouza Behm: „Die steigende Kinderarmut ist überall zu spüren“ (MT vom 20.9.2016)