Drei Fragen an Carolin Adner vom Mindener Verein Hope: „Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die liebevoll ist“(#200in365, No.49)

Carolin Adner engagiert sich für Flüchtlinge und andere Bedürftige MT-Foto: Piel

Mit einer Kleiderkammer am Schwabenring für Flüchtlinge und andere Bedürftige ging es vor drei Jahren los. Inzwischen hat der Mindener Verein Hope neue Räumlichkeiten an der Stiftsallee bezogen.

Was hat sich innerhalb von drei Jahren verändert?

Am Anfang ging es darum, die Menschen mit Kleidung auszustatten. Da standen im Winter Leute in Badelatschen vor uns. Danach ging es darum, Wohnungen auszustatten. Und inzwischen geben wir Hilfestellungen bei Hartz-IV- oder Kindergeld-Anträgen, geben Deutschunterricht oder Nachhilfe, bieten ein Integrationscafé an.

Wie geht es den Flüchtlingen inzwischen?

Die meisten von denen, die wir kennengelernt haben, haben es geschafft. Einige studieren in Bielefeld, andere machen eine Ausbildung oder arbeiten. Die brauchen uns nicht mehr. Wir müssen uns dem Bedarf anpassen.

Was ist heute die größte Herausforderung für Flüchtlinge?

Es herrscht unter ihnen eine große Unsicherheit. Einerseits sollen sie funktionieren, sollen sich integrieren. Auf der anderen Seite wird ihnen signalisiert, dass sie nicht dazu gehören. Fast jeder von ihnen ist schonmal auf der Straße angepöbelt worden. Dadurch ziehen sie sich zurück. Es gibt viele enttäuschte Erwartungen. Die deutsche Gesellschaft ist deutlich nach rechts gedriftet. Auch deshalb gibt es Hope – gegen die Angst auf beiden Seiten, für die Begegnung. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die liebevoll ist. Mir geht’s verdammt gut und davon muss ich doch was abgeben.

Von Benjamin Piel, Chefredakteur