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Brückenbauer zwischen Heimat und Welt: MT trauert um ehemaligen Chefredakteur Wilfried Drexhage

Wilfried Drexhage auf einem Foto aus dem Jahr 2009, aufgenommen bei der Jubiläumsfeier 175 Jahre J.C.C. Bruns. Archivfoto: Manfred Otto

Als „Redakteur für Allgemeines“ beschrieb Wilfried Drexhage 1956 seine Aufgabe beim Mindener Tageblatt in dessen Jubiläumsschrift zum 100-jährigen Bestehen als „Beitrag zum Bau einer Brücke zwischen Heimat und Welt“. Das MT befand sich nach mehrjähriger kriegsbedingter Zwangspause gerade mitten im Aufhol-Wettbewerb in einem zwischenzeitig dicht besetzten Heimatmarkt; der junge Redakteur war zwei Jahre zuvor von der Lippischen Landeszeitung in Detmold als Verstärkung hinzugestoßen.

In einer kleinen Redaktionsmannschaft tummelte sich Drexhage zu dieser Zeit geradezu zwangsläufig auf nahezu allen journalistischen Arbeitsfeldern: „Reportagen aus Stadt und Kreis, Beilagen, sportliche und andere Veranstaltungen, Urlaubsvertretungen für Lokales, Kreis, Provinz und Sport“, schreibt er selbst in dem erwähnten Beitrag. Ab Herbst 1959 wurde er auch im Ressort Politik/Wirtschaft eingesetzt – und fand hier seine endgültige Bestimmung, schon seit 1960 als verantwortlicher Ressortleiter, später ergänzt auch um das „Vermischte“. Hier fand das spätere MT-Ressort „Nachrichten“ seine Grundlage, in der nahezu die gesamte nichtlokale und nichtsportliche überregionale Berichterstattung gebündelt wurde.

Gemeinsam mit dem Ressortleiter Lokales, Heinz Wähler, wurde er am 1. Januar 1975 vom damaligen Senior-Verleger und Chefredakteur Hansheinrich Tomas zum stellvertretenden Chefredakteur berufen. Gemeinsam mit Wähler übertrug ihm 1977 Rainer Thomas nach dem Tod seines Vaters auch die Chefredaktion, die beide bis zu Wählers Ausscheiden zum Jahresende 1989 ebenso kollegial wie einvernehmlich zu gestalten wussten. Weitere zwei Jahre blieb Drexhage allein an der Spitze der Redaktion, bevor ihm zum Jahresbeginn 1992 Christoph Pepper folgte.

Es waren Jahre des kontinuierlichen Auflagenwachstums für das MT, das sich schon in den 1960-ern die Rolle als führende Heimatzeitung seines Verbreitungsgebietes zurückerobert hatte und diese auch gegen die intensive Konkurrenz der großen Regionalzeitungsverlage aus Bielefeld weiter auszubauen wusste. Gleichzeitig waren es Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche sowie nicht zuletzt eines immer schneller taktenden technologischen Wandels, die der Zeitungsbranche eine bis heute nicht mehr abreißende Kette unaufhörlicher Veränderungen und Herausforderungen bescherte. In diesem Umfeld wuchs neben anderen Verlagsabteilungen auch die Redaktion. An ihrer Spitze war es Drexhages (und Wählers) Bestreben, der Verantwortung der Lokalzeitung für zuverlässige und seriöse Information als Grundlage demokratischer Meinungsbildung gerecht zu werden – als die schon zu seinem Berufsbeginn so gesehene Brücke zwischen Heimat und Welt.

Als Chefredakteur, so schrieb Verleger Rainer Thomas anlässlich seiner Verabschiedung im MT, verstand Wilfried Drexhage es, „sachlich, fair, konsequent und manchmal auch kompromisslos die in der Medienwelt zwangsläufig auftretenden Interessengegensätze zwischen Verlag und Redaktion auszugleichen oder doch zu entschärfen.“ Nach dem Wechsel in der Chefredaktion redigierte er noch ein halbes Jahr lang die damaligen Touristik-Seiten des Mindener Tageblatts und ging 1992 nach fast 39-jähriger Redakteurstätigkeit in den Ruhestand.

Anschließend widmete er sich über Jahre ehrenamtlich unter anderem der Vertiefung der Partnerschaft zwischen dem Mühlenkreis Minden-Lübbecke und dem estländischen Kreis Viljandi. Am Montag ist Wilfried Drexhage im Alter von 89 Jahren gestorben.

 

Von Christoph Pepper, Herausgeber

Anzeigenzeitung “Willem” mit neuen Inhalten und frischer Optik

Die Anzeigenzeitung “Willem” wurde optisch und inhaltlich überarbeitet. Hier die Ansicht als digitales eMag, das auf jedem Bildschirm durchgeblättert werden kann. Repro: MT

Das kostenlose Wochenend-Magazin „Willem“ ist zum neuen Jahr optisch und inhaltlich gründlich überarbeitet worden. Das Schwesterblatt der mittwochs erscheinenden Anzeigenzeitung „Weserspucker“ präsentiert sich seit der ersten Ausgabe 2019 mit neuen Layout-Elementen und einem deutlich erweiterten Spektrum an Inhalten.

Die Redaktion hat eine ganze Reihe von neuen Rubriken und Formaten an den Start gebracht: Unter anderem gibt es nun regelmäßig Eventfotos (in Zusammenarbeit mit dem Stadtmagazin „News“), ein ausführliches Interview, Kommentare zu aktuellen Themen, Rätsel und nicht zuletzt als auflockerndes zeichnerisches Element einen humorigen Cartoon. Auch ein Blick ins Digitale ist künftig Bestandteil der Samstagsausgabe: „Entdeckt auf Instagram“ stellt als feste Rubrik regionale Online-Blogger dieser Plattform vor.

Auch die Vertriebsorganisation wurde neu aufgestellt.  Seit Jahresbeginn wird der „Willem“  samstags von einem eigenen Boten-Team der Unternehmensgruppe J.C.C. Bruns an alle erreichbaren Haushalte in Minden, Porta Westfalica, Hille, Petershagen und Lübbecke verteilt. Die verbreitete Auflage beträgt annähernd 110.000 Exemplare. Selbstverständlich ist der “Willem” auch digital verfügbar. Unter http://willem-online.de/ gibt es nicht nur Kontaktinformationen und Mediadaten des Magazins, sondern auch die jeweils aktuellen Ausgaben für Minden und Lübbecke als am Bildschirm blätterbares eMagazin sowie ein Archiv zurückliegender Ausgaben.

Die heimische Medienlandschaft hat sich zum Jahresende einmal mehr verändert. Der „Minden Kurier“, ein Anzeigenblatt des niedersächsischen Oppermann-Verlages, hat sich mit der letzten Ausgabe 2018 von seinen Lesern verabschiedet und nach knapp sechs Jahren sein Erscheinen eingestellt. Die Verlagsleitung begründete das mit dem gestiegenen Kostendruck. Damit verbleiben der „Willem“ als Wochenendmagazin und der „Weserspucker“, der kreisweit jeweils mittwochs in drei eigenständigen Ausgaben mit einer gemeinsamen Auflage von gut 112.000 Exemplaren erscheint, als gemeinsam das gesamte Kreisgebiet abdeckende Anzeigenzeitungen. Beide sind Produkte des bereits 1834 gegründetenen Mindener Medienunternehmens J.C.C. Bruns, das unter anderem auch seit 1856 das „Mindener Tageblatt“ herausgibt. Der „Willem“ erscheint in der jetzigen Struktur im sechsten Jahrgang. Das Schwesterblatt „Weserspucker“ ist bereits seit 28 Jahren auf dem Markt.

Für die Leserinnen und Leser bedeuten Anzeigenzeitungen kostenfrei lokale Nachrichten, Storys und Hintergrundberichte sowie Verbraucher- und Servicethemen. Sie sind zudem für Handel und Dienstleistungsunternehmen zuverlässige Werbeträger, um die jeweilige Werbebotschaft zielgerichtet an die Kundinnen und Kunden bringen, sei es über attraktiv gestaltete Anzeigen oder mittels Beilagen in Form von Prospekten.

Fast jeder, der in Deutschland lebt und einen Briefkasten hat, kann sich durch Anzeigenzeitungen informieren. Laut einer aktuellen Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse lesen mehr als 75 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung Anzeigenzeitungen, das sind mehr als 53 Millionen Menschen. Deutschlandweit gibt es 418 Verlage, die insgesamt 1268 Titel herausgeben.

Von Jörg Meier, Redaktionsleitung “Willem” und “Weserspucker”

Zeitungsmarkt OWL: Neuer Besitzer für Bielefelder “Westfalen-Blatt“-Gruppe (Update)

Die Bielefelder „Westfalen-Blatt“-Gruppe erhält mit der neu gegründeten „Westfälische Medien Holding AG“ einen neuen Besitzer. In der Holding wollen „Westfalen-Blatt“ und die Münstersche Aschendorff-Gruppe ihre Medienaktivitäten zusammenführen. Repro: MT

Im Zeitungsmarkt Ostwestfalen-Lippe verschieben sich erneut die Gewichte. Gestern teilten die Bielefelder „Westfalen-Blatt“-Gruppe und das in Münster beheimatete Verlagsunternehmen Aschendorff (u.a. „Westfälische Nachrichten“, „Münstersche Zeitung“) mit, ihre Medienaktivitäten im Wege einer Fusion unter dem Dach einer „Westfälische Medien Holding AG“ zusammenführen zu wollen. 

Aschendorff ist bereits seit 2010 über die damalige Busse-Holding der ursprünglichen Gründerfamilie mit 24,9 Prozent indirekt an den Westfalen-Blatt-Unternehmungen beteiligt und hatte bereits 2012 dem Bundeskartellamt seine Absicht bekannt gegeben, daran in zwei Schritten die Mehrheit erwerben zu wollen. Dies war genehmigt worden, der nun mitgeteilte Schritt steht laut Mitteilung jedoch ebenfalls noch unter Zustimmungsvorbehalt des Kartellamts. Wer in der neuen Holding in welchem Umfang Anteile hält, wurde nicht mitgeteilt.

(Update 5.1.2019 : Nach eigenen Aschendorff-Angaben umfasst die Beteiligung der Münsteraner 76,5 Prozent der Gesellschaftsanteile. 20,09 Prozent hält danach die Busse-Holding, die restlichen 3,41 Prozent liegen bei der Verlagsgruppe Ippen. Diese war bereits vor dem Aschendorff-Einstieg in die Busse-Holding mit 14,5 Prozent der dortigen Anteile Minderheits-Gesellschafter der von dieser gehaltenen Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt.)

In einer vom „Westfalen-Blatt“ veröffentlichten Pressemitteilung „In eigener Sache“ heißt es, an den jeweiligen Unternehmensstrukturen solle sich nichts ändern, sie würden als Tochtergesellschaften weitergeführt und sollten „unter dem Dach der Holding erfolgreich weiterentwickelt werden“. Was das im Einzelnen für die Redaktionen, Druckhäuser, Anzeigenvermarktungen und Vertriebsgesellschaften der fusionierenden Unternehmen bedeutet, wird abzuwarten sein. (Update 5.1.2019: Der DJV NRW sah sich in einer Stellungnahme veranlasst, Sorgen um Tariftreue, Arbeitsplatzerhalt und die publizistische Vielfalt in NRW zu äußern).

Die ursprünglich einmal mit Ausgaben unterschiedlicher Titelbezeichnung in ganz Ostwestfalen-Lippe verbreitete Regionalzeitung „Westfalen-Blatt” (u.a. auch “Westfälisches Volksblatt”, “Herforder Kreisblatt”, “Lübbecker Kreiszeitung”) erscheint derzeit laut ihren Mediadaten noch in insgesamt 23 Lokal-Ausgaben in der Stadt Bielefeld sowie in den Kreisen Gütersloh, Herford, Paderborn, Höxter und Minden-Lübbecke;  der überregionale Teil wird von einer eigenen Zentralredaktion in Bielefeld erstellt. Die verkaufte Auflage lag im dritten Quartal 2018 laut IVW bei 105.788 Exemplaren. Im Kreis Minden-Lübbecke erscheinen die Ausgaben Bad Oeynhausen/Löhne (2.540) und Altkreis Lübbecke (7.373), hier erscheinen jeweils auch Ausgaben des Bielefelder Wettbewerbers „Neue Westfälische (12.590/8.932). Aus dem MT-Verbreitungsgebiet hatte sich das Westfalen-Blatt im Jahr 2004 zurückgezogen, ebenso aus dem Kreis Detmold. 

Wettbewerber im OWL-Zeitungsmarkt sind die in der Vermarktungsgemeinschaft „Zeitungsgruppe Neue Westfälische“ zusammengeschlossenen selbstständigen Zeitungsverlage „Neue Westfälische“ (Bielefeld), „Lippische Landeszeitung“ (Detmold), „Haller Kreisblatt“ (Halle) und „Mindener Tageblatt“, die im III. Quartal 2018 zusammen eine verkaufte Auflage von 199.789 Exemplaren auswiesen. Die „Neue Westfälische“ gehört zu 100 Prozent der SPD-Medien-Beteiligungsgesellschaft DDVG (Hamburg), die übrigen Verlage befinden sich jeweils vollständig in Familienbesitz. Neben der gemeinsamen Anzeigenvermarktung kooperieren sie in der Gruppe in unterschiedlichen Zusammensetzungen, Formen und Ausmaßen auch bei Themen wie Druck, Vertrieb, IT, Digitale Medien und redaktionelle Zusammenarbeit.

Die aus dem bereits seit 1720 bestehenden Münsterander Familienunternehmen hervorgegangene Aschendorff-Gruppe ist wie viele klassische Regionalzeitungsverlage heute in zahlreichen Mediengeschäftsfeldern aktiv, überwiegend im angestammten Verbreitungsgebiet. Zum Hauptprodukt „Westfälische Nachrichten“ (Tageszeitung und dazugehörige Digitalangebote) kam 2014 durch Übernahme der bisherige Konkurrent „Münstersche Zeitung“, der seither mit dem Lokalteil der WN erscheint. Beide zusammen kamen im II. Quartal 2018 laut IVW auf eine verkaufte Auflage von 106.468 Exemplaren. Der überregionale Teil (Mantel) der „Westfälischen Nachrichten“ wird außerdem in zahlreichen in der ZENO-Gruppe zusammengeschlossenen selbstständigen Lokalzeitungen rund um das WN-Verbreitungsgebiet genutzt und kommt so auf eine Auflage von rund 202.000 Exemplaren.  Die Verbreitungsgebiete der nun fusionierenden Verlage sind unmittelbar benachbart, Überschneidungen gab es bislang so gut wie nicht.

 Von Christoph Pepper

Siehe auch: „Wechselt Bielefelder Westfalen-Blatt“ den Besitzer“ (4.1.2012)