MT clever: Futter für die „Schulis“ – Die Kita Christuskirche II ist schon zum zweiten Mal beim Projekt dabei

Spaß mit der Zeitung: Mit der kann man basteln, experimentieren, toben, die Welt entdecken
und erste Buchstaben lernen. Foto: Kita Christuskirche/privat

Eigentlich sind sie mitten im Umbaustress: Die Kita Christuskirche II in Todtenhausen wird gerade ausgebaut. Trotzdem hat es sich das Team nicht nehmen lassen, auch in diesem Jahr am Bildungsprojekt MT clever für Kitas teilzunehmen – schon zum zweiten Mal. „Wir haben die Projektbeschreibung gelesen und dachten, das probieren wir mal aus“, sagt Leiterin Jessica Südmeier. Denn die Vorschulkinder, hier „Schulis“ genannt, brauchen schließlich immer Futter – also geistiges vor allem.

„Uns gefiel auch, dass die Materialien zum Projekt so gemacht sind, dass man sich das Passende rauspicken und eigene Idee miteinbringen kann“, ergänzt ihre Kollegin Sandra Scharnetzke. Im vergangenen Jahr haben sie zum Beispiel nicht nur den Wetterbericht in der Zeitung angeguckt, sondern auch gleich eine eigene Wetteruhr gebastelt. „Für uns ist wichtig, dass die Kinder nachher etwas in der Hand haben, was sie mit nach Hause nehmen können“, erläutert Südmeier.

Und natürlich dient das Projekt ganz wesentlich dazu, einen Leseanreiz zu schaffen. „Da bietet sich die Zeitung einfach an, da sind wir auch ein bisschen ‚oldschool‘ – wir mögen es, Papier in der Hand zu haben, statt auf Bildschirmen herumzuwischen“, lacht die Kita-Leiterin. Und am großartigsten fanden Kinder wie Begleiter den Besuch im Druckzentrum am Trippeldamm. „Diese riesigen Maschinen sind einfach beeindruckend“, sagt Scharnetzke. Und mit ein bisschen Glück begegnen die Kinder sogar Maskottchen Toni, auch wenn der leider nicht immer da sein kann.

Das Bildungsprojekt MT clever dient dazu, erste Medien- und Lesekompetenz zu fördern. Die beteiligten Kitas erhalten eine Materialsammlung für Erzieherinnen, Mitmachhefte für die Kinder und vier Wochen lang das Mindener Tageblatt. Wer möchte, kann auch einen Ausflug zum Druckhaus unternehmen und sich dort durchführen lassen.

In diesem Kindergartenjahr haben sich schon 50 Kitas mit über 850 Kindern angemeldet. Im letzten Projektzeitraum für dieses Jahr vom 29. April bis zum 24. Mai sind nur noch einige wenige Restplätze frei.

Weitere Informationen gibt es unter mt-clever.de oder bei Nicola Waltemathe unter (0571) 882 129, E-Mail mt-clever@mt.de

 

Das MT startet das Projekt „Wem gehört Minden?“

Screenshot: MT

Wohnen, Immobilien, Streit zwischen Mietern und Vermietern – das alles bewegt unsere Leser und Nutzer sehr. Um diesen Themen mehr Raum und Tiefe zu geben, startet das Mindener Tageblatt mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv das Projekt „Wem gehört Minden?“. Zusammen mit den Bürgern wollen wir mehr über den heimischen Wohnungsmarkt herausfinden.

Weil es in Deutschland nicht möglich ist, einfach ins Grundbuch zu schauen und dort die Immobilienbesitzer zu identifizieren, bitten wir um Hinweise: Wem gehört Ihre Wohnung? Welchen Quadratmeterpreis zahlen Sie? Diese und andere Informationen können Mieter uns auf der Internetseite www.wem-gehoert-minden.de zukommen lassen. Es geht nicht darum, Vermieter einzelner Wohnungen zu nennen, an den Pranger zu stellen oder gar eine lückenlose Übersicht auf die Beine zu stellen.

Was wir dagegen wollen: mehr Transparenz auf dem Mindener Immobilienmarkt. Um das zu erreichen setzen MT- und Correctiv-Redaktion möglichst viele Schlaglichter. Das müssen übrigens nicht immer nur kritische Geschichten sein. Vielleicht lässt sich an einem Beispiel zeigen, wo und warum es zwischen einem Vermieter und einem Mieter besonders gut läuft. Auch so etwas Beispielgebendes interessiert uns.

Correctiv hat das Projekt bereits in den Metropolen Hamburg, Berlin und Düsseldorf realisiert (etwa: https://interaktiv.tagesspiegel.de/wem-gehoert-berlin/). Mit Minden ist nun erstmals eine kleinere Stadt an der Reihe. Dort stellen sich Fragen, die jenen in den großen Städten ähnlich sind: Was hat der Wegfall der städtischen Wohnungsgesellschaft bewirkt? Welche Investoren sind im Markt unterwegs? Was sind ihre Strategien? Sind auch in den kleinen Städten Spekulanten aktiv?

Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern machen wir uns auf die Suche nach Antworten und freuen und auf ein spannendes Projekt!

Benjamin Piel
Chefredakteur

Aufruf zu Anstand und Vernunft: Eine außergewöhnliche MT-Anzeige und ihre Geschichte

Wolfgang Battermann (von links), Joachim Radi und Peter Kock haben zusammen mit Nils Rosenbohm und Christoph Bulmahn die Anzeige mit dem Titel „Aufruf zu Anstand und Vernunft“ initiiert. MT-Foto: Nadine Schwan

Die ganzseitige Anzeige mit dem Titel „Aufruf zu Anstand und Vernunft“ dürfte vergangenen Samstag einige Leser überrascht haben – und einige vielleicht gar nicht. Ganz nüchtern, schwarz-weiß mit einem langen Text und einer Liste von 464 Namen fällt sie dennoch auf, zwischen den bunten Zeitungsseiten.

Mit ihr wollen fünf Freunde aus Minden und Petershagen ein Zeichen gegen Rassismus setzen und gegen den massiven Angriff auf die Demokratie, wie sie es empfinden, aufmerksam machen. Joachim Radi (67), Wolfgang Battermann (72), Peter Kock (49), Nils Rosenbohm (46) und Christoph Bulmahn (37) sind diese fünf Menschen, die sich dazu entschlossen haben, den Aufruf zu veröffentlichen. Sie sind Lehrer oder ehemalige Lehrer, das Gymnasium Petershagen verbindet sie.

„Das politische Klima geht uns schon seit einer Weile gegen den Strich. Wir wollten etwas machen, aber was?“, sagt Joachim Radi. Zusammen haben die Freunde beschlossen, keine Straßendemo zu organisieren und auch keine Podiumsdiskussion zu veranstalten, sondern ganz klassisch – fast schon altmodisch – einen Text zu schreiben und diesen in der Zeitung zu veröffentlichen.

Im Februar 1991 hatte Radi dies schon mal gemacht. Damals ging es um den Golfkrieg, 84 Menschen unterschrieben seinen Aufruf. Doch die Dimensionen waren kleiner, der Golfkrieg weit weg. Die aktuelle Situation, die im Text beschrieben wird, ist nah an den Menschen in der Region. Es geht um Hassbotschaften, Gewalt, Drohungen und das Tragen nationalsozialistischer Symbole – alles Dinge, die auch in Minden passieren.

Weil die Freunde nicht allein unter dem Text stehen wollten, sondern möglichst viele Mitstreiter und Gleichgesinnte ins Boot holen wollten, schickten sie ihn mit einem Begleitschreiben an ihre Freunde und Bekannte. Wer sie unterstützen wollte, musste mit seinem vollen Namen dazu stehen und mindestens zehn Euro an ein dafür eingerichtetes Konto überweisen. Mehr als 3.000 kamen zusammen. „Viele haben mehr Geld überwiesen, den Rest werden wir für gute Zwecke spenden“, sagt Battermann. Wohin? Das ist noch nicht entschieden.

Bis zum 31. Januar hatten die Unterstützer Zeit, dann war die Aktion beendet. „Später haben sich noch Leute bei uns gemeldet, die auch gern unterschrieben hätten, aber da war es zu spät und die Anzeige schon fertig“, sagt Radi. Von den vielen Menschen, die die Freunde angesprochen und angemailt haben, haben einige reagiert, manche aber auch gar nicht. Und wieder andere haben sich dagegen ausgesprochen. Die Reaktionen waren vielfältig, auch am Text wurde Kritik geübt. Das Wort Anstand sei Nazi-Vokabular, eine Position zu Linksextremen fehle, oder auch einfache Formulierungen wurden bemängelt, um ein paar Beispiele zu nennen. Auch, dass die fünf alle Männer sind und keine Frau in der Gruppe ist, wurde kritisiert. „Das hat sich so ergeben, wir haben keine repräsentative Initiative gegründet, sondern sind einfach Freunde“, sagt Radi.


Appell-Anzeige

Für Battermann ist unverständlich, dass manche seiner Bekannten das Papier nicht unterschreiben wollen. Die anderen nehmen es hin. „Es kann verschiedene Gründe haben, nicht zu unterschreiben“, sagt Peter Kock. Eine Frau hatte sich zum Beispiel bei ihnen gemeldet und geäußerte, dass sie Angst habe und Probleme mit dem Arbeitgeber bekäme, wenn ihr Name auf der Liste stehe – auch solche Reaktionen gab es.

Wichtig war den Männern, dass keine Parteien oder Vereine die Liste unterschreiben konnten. „Hinter der Unterschrift soll ein Gesicht stehen, eine Identität, kein Vereinsname“, sagt Radi. Er und seine Freunde hoffen, dass sie durch ihre Aktion positive Geister wecken können. „Demokratie und Freiheit sind offenbar für manche Menschen selbstverständlich geworden, aber die sind schneller weg, als man sie wieder aufbauen kann. Man muss dafür arbeiten“, sagt Battermann. Er und seine Freunde sind aber hoffnungsvoll.

In den sozialen Netzwerken, in denen solche Themen regelmäßig hochkochen, blieb es in der vergangenen Woche auffällig ruhig – jedenfalls dort, wo die MT-Redaktion Einblick hat. Anders bei den fünf Freunden: „Wir werden täglich angerufen und angemailt. Uns fragen die Leute, wie es jetzt weitergeht“, sagt Battermann. Hier hat sich vor allem Christoph Bulmahn schon Gedanken gemacht. „Ich kann mir vorstellen, ein Dialog-Format zu initiieren, in dem Menschen aufeinander treffen und diskutieren“, sagt er. Die genauen Pläne müsse die Gruppe aber erst besprechen. Die größte Frage, die sich den Männer dabei stellen dürfte, ist: Wie erreichen sie die Menschen außerhalb ihres Umfeldes – die, die anders denken?

Von Nadine Schwan, Redaktion Digitale Inhalte