Football als 40 plus-Seniorensport – geht das? Ein Selbstversuch beim Probetraining der Minden Wolves

MT-Fotos: Astrid Plaßhenrich

Zwei blaue Flecken habe ich dann doch noch gefunden. Der größere auf der Brust hat sich erst am Sonntagabend gezeigt – eine kleine Erinnerung daran, den Football immer vor dem Körper zu fangen und nicht zu warten, bis er einschlägt. Bei den Block-Übungen haben auch die Handgelenke ziemlich gelitten, aber nach einer Nacht ist schon wieder alles gut.

Nachdem die Knochen jetzt wieder sortiert sind, bleibt ein angenehmer Muskelkater. Und das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Denn schon beim ersten Probetraining der Minden Wolves ist praktisch aus dem Nichts so etwas wie ein Team entstanden. Jeder feuert jeden an, und in den vier Gruppen werden gute Leistungen gemeinsam gefeiert. Einen besseren Start hätten sich die Organisatoren um den künftigen Cheftrainer Timo Drinkhut kaum wünschen können.

Ein bisschen erinnert die Szenerie morgens um kurz nach zehn an den Eignungstest für das Sportstudium. Hier stehen Menschen, die sich noch nie gesehen haben, aber dennoch dasselbe Ziel haben. Gemeinsam warten sie darauf, etwas Neues zu beginnen – und alle wissen, dass keiner dem anderen einen Platz wegnimmt. Jeder, der spielen will, werde auch spielen können, gibt Mitorganisator Danny Wilkening allen Teilnehmern gleich zu Beginn mit auf den Weg.

Der Teamgedanke soll im Mittelpunkt stehen, übermäßige Individualität ist eher nicht gefragt. In diesem Punkt ist das Tryout sehr amerikanisch. Das Aufwärmen läuft auf Kommando, selbst die Laufrunde zum Start wird in Formation gedreht. Wer noch bei der Bundeswehr war, kann sich erinnern. „Nach den Übungen klatscht ihr euch ab, ihr seid ein Team“, ruft der Trainer ein paar Mal dazwischen. Was zunächst eine Spur zu aufgesetzt wirkt, fühlt sich dann doch völlig normal an.

Mit 44 bin ich nicht ganz der Älteste in der Runde, aber ziemlich nah dran. Und obwohl die kurze Football-Erfahrung nur noch eine Erinnerung und auch die Sprinter-Vergangenheit merklich verblasst ist, kann ich einigermaßen mithalten. Vielleicht muss ich nach dem 40-Yards-Test etwas länger durchschnaufen als die jungen Kollegen, vielleicht brauche ich nach dem Training auch ein paar Stunden mehr Erholung auf dem Sofa. Trotzdem fühlt sich das #ProjektComeback richtig an. Nach dem Tryout mehr als zuvor.

Mehr als 27 Jahre nach meinem letzten Spiel mit der High-School Mannschaft der Maywood Tigers in Nebraska ist der Spaß am Football wieder geweckt. Dass es für die alten Positionen als Safety oder Kick-Retuner noch reicht, glaube ich nicht. Trotzdem fühle ich mich schon jetzt als Wolf.

Passrouten laufen und Bälle fangen, Tacklingübungen oder Blöcke stellen, davor ein Athletik-Vierkampf mit Sprints und Sprüngen – beim Tryout ist für jeden etwas dabei. Den größten Applaus bekommen immer wieder diejenigen, denen eine Übung etwas schwerer fällt. Dieser spontane Teamgeist hat mich wirklich überrascht.

Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder in die Rüstung zu schlüpfen. Ich will wissen, ob ich auch den Vollkontakt noch überstehe. Bis dahin wird es noch ein wenig dauern. Ein zweites Tryout, die Suche nach einem Platz für das reguläre Training – beides steht noch aus. Ein paar Wochen muss die Euphorie noch anhalten, dann kann aus den ersten Wölfen ein echtes Rudel werden. Ein guter Anfang ist gemacht.

Von Henning Wandel, Lokalredaktion

Hinweis: Unter dem Hashtag #ProjektComeback kann man Henning Wandel auf Facebook und Instagram bei seinem Selbstversuch folgen,

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