Betr. MT: „Standpunkt“ Multihalle, MT vom 2./3. Februar

Foto: MT-Archiv

Nur „Dagegen“ ist zu wenig
Standpunkte dürfen polarisieren, journalistisch gerne sachlich differenzieren. Nur das Beleuchten des Widers mit überzogener Metapher ist zu wenig. Lesenswert kommentierte Ihr Kollege vor einigen Monaten, dass die sich stellende Frage nur sei, ob Minden es sich leisten könne, die Halle nicht zu bauen. Leider beschäftigt sich auch Ihr heutiger Kommentar nicht ansatzweise mit möglichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Synergien für Kreis, Stadt und rechtes Weserufer.

Mit allem Respekt liegt die Zukunft der hier lebenden Menschen nicht im Stadtarchiv.

Lesername

Antwort der Redaktion
Widerspruch erwünscht Kommentare sollen Gespräche anregen

Guten Tag Herr Lesername,

Danke für Ihren Widerspruch. Dieser Satz liest sich vielleicht merkwürdig, denn wer bedankt sich schon für Gegenwind. Doch worum geht es bei einem Kommentar: dass der Autor Recht haben will? Nein. Widerspruch ist notwendig, wenn der Lesende die Dinge ganz anders sieht. Ein Kommentar ist die Meinung des Autors. Es steht jedem frei, dieser Argumentation ganz, etwas oder überhaupt nicht zuzustimmen. In allen drei Fällen hat der Kommentar sein Ziel erreicht: Er soll Meinung bilden – und das tut er auch, wenn er Ablehnung hervorruft.

Wir möchten mit dem MT Diskurse anstoßen und am Laufen halten. Ein anhaltender Austausch über das Thema Multihalle ist wichtig. Es ist eines der Mindener Zukunftsthemen – und zwar unabhängig davon, ob man für oder gegen den Bau ist. Wird die Halle gebaut, könnte sie eine bessere Zukunft bedeuten, weil Minden einen Ort für Veranstaltungen bekommt, die heute gar nicht vorstellbar sind. Oder der Multihallen-Bau ist ein großes Risiko, das die Stadt finanziell auf Jahre belasten, aber nicht weiterbringen wird.

Darüber ist ausführlich, kontrovers und über einen längeren Zeitraum zu reden. Damit am Ende niemand sagen kann: „Oha, hätten wir uns über dieses Thema mal lieber intensiver gestritten.“ Dazu wollen wir als Journalisten beitragen. Es ist nicht unser Job, den Bau der Multihalle zu verhindern oder zu ermöglichen. Aber es ist Teil unserer Aufgabe, die Öffentlichkeit mit dem Thema in Kontakt zu bringen und zu einem kontroversen, aber niveauvollen und diffamierungsfreien Diskurs anzuregen. Damit es letztlich zu einer Entscheidung kommt, der die Abwägung von Für und Wider in einer dem Thema angemessenen Weise und Tiefe vorausgegangen ist.

Es stimmt, dass ein Archiv den meisten Menschen keine persönlichen Vorteile bringt. Aber das ändert nichts daran, dass es Pflichtaufgabe einer Kommune ist, ein funktionierendes Archiv zu haben. Es geht auch gar nicht darum, Archiv und Halle gegeneinander auszuspielen. Doch die finanzielle Situation Mindens hat sich innerhalb der zurückliegenden Wochen zugespitzt. Eine neue Ausgangssituation.

Herr Horstmann, danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, zu widersprechen. Lassen sie uns weiter ringen – um dieses und um noch viele andere Themen! Im freundlichen und zugewandten, wenngleich kontroversen Dialog liegt die Kraft, gesellschaftliche Spaltungen zu heilen – oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Viele Grüße, Benjamin Piel

 

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