Goldwerte Senioren, Heimatverbundene, Nebenjobber, Sportler und andere Spezialisten, Nachwuchstalente – Ohne Freie Mitarbeiter geht beim MT (fast) gar nichts

Pause während einer Schulung für Freie Mitarbeiter bei der Mindener Feuerwehr. Foto: Monika Jäger

Ohne Freie Mitarbeiter geht für die meisten Lokalzeitungen gar nichts – es ist nahezu unmöglich, alle Themen, Termine und Orte in allen Winkeln des Verbreitungsgebietes mit den festangestellten Redakteuren abzudecken, die ja immerhin auch noch den steten Strom an Neuigkeiten fest im Blick behalten und die Zeitungsseiten fertigmachen müssen. Die Lokalredaktion des Mindener Tageblatts ist stolz auf die bunte, vielfältige Riege ihrer Freien: Der älteste ist 85 Jahre alt und pensionierter Beamter, der jüngste ist 18 und hat gerade Abi gemacht. Zeit für eine Würdigung.

Im Unruhestand

Mag der Rest der Welt auch über den demografischen Wandel stöhnen und die Überalterung der Gesellschaft beklagen – im Lokaljournalismus sind die Senioren Gold wert. Vor allem weil sie das mitbringen, was den hauptberuflichen Hektikern in der Redaktion abgeht: Zeit. Sie bleiben, bis die dritte Zugabe verklungen ist, und halten danach noch ein Schwätzchen. Und wenn sie dann wiederkommen, haben sie nicht nur den Konzertbericht eingetütet, sondern noch drei weitere Themen auf der Liste, denen man mal nachgehen müsste. Wobei hier nicht nur von pensionierten Redakteuren die Rede ist, die es glücklicherweise einfach nicht lassen können. In den Reihen unserer freien Mitarbeiter finden sich auch eine ganze Reihe Rentner, die ursprünglich nicht vom Fach sind. Gemeinsamkeit: Geistige Beweglichkeit, Lust sich immer wieder auf Neues einzulassen und ein klarer, guter Schreibstil.

Heimatverbundenheit

Der Heimatverbundene ist sozusagen das Gegenstück zum Großstadtzyniker. Er kennt seine sprichwörtlichen Pappenheimer nicht nur, er mag sie auch. Er hat den siebten Sinn für Menschen, die einfach mal machen, statt immer nur zu meckern, und er sorgt gern dafür, dass die Öffentlichkeit davon auch erfährt. Vor allem in den Ortsteilen und Dörfern fungiert er als Augen und Ohren der Redaktion. Er weiß, worüber geredet wird, worüber Leute sich freuen und worüber sie sich aufregen und berichtet darüber – nicht unkritisch, aber immer mit Respekt und Verständnis. Wie gute Nachbarn das eben so tun.

NMachwuchs Helge Hoffmeister (19) und Urgesteimn Robert Kauffeld (85). Rechts: Alfred Loschen auf der Schachschleusen-Baustelle. Die gelbe Sicherheitsweste mit “Presse”-Aufdruck bekommt übrigens jeder. Fotos: Malina Reckordt, pr

Im Nebenjob

Und dann gibt es da noch Menschen, die betreiben Lokaljournalismus als Ausgleichssport: Weil sie im Hauptjob zu viel mit Zahlen und zu wenig mit Menschen zu tun haben, zum Beispiel. Oder weil sie generell einfach über mehr Lebensenergie verfügen als normale Menschen. In der Redaktion melden sie sich gerne mal mit so Sätzen wie „Ich gehe da sowieso hin, braucht ihr vielleicht einen Bericht und drei Fotos?“. Aber bitte sehr, immer gerne doch.

Sportler und andere Spezialisten

Den Tabellenstand kann er rückwärts und im Schlaf aufsagen, Auf- und Abstiegsszenarien in sechzehn möglichen Varianten berechnen. Er kennt jeden Sportplatz und jede Halle im Kreisgebiet, den Vornamen jedes Platzwarts und die private Handynummer jedes Trainers. Er weiß, wer gerade aus dem Formtief kommt, und in welcher Begegnung ordentlich Wumms steckt. Manch einer hat sich auch spezialisiert auf Sportarten, in deren feinverästeltem Regelwerk sich sonst niemand auskennt. Diese Eigenschaften – ein furchteinflößendes Detailwissen und eine absolute Leidenschaft für die Sache – teilt er mit unseren Experten auf einem ganz anderen Gebiet: Der Kultur. Vor allem unter den Musikkritikern findet sich ein derart profundes, über Jahrzehnte angesammeltes Fachwissen, dass kein Redakteur, der am Tag zwischen sechzehn verschiedenen Themen hin- und herschaltet, mehr mithalten kann. Da bleibt nur eins: Vertrauen in ihr Urteilsvermögen und gelegentlich der zarte Hinweis „bitte formuliere das noch einmal so, dass ich es auch verstehe, ja?“

Nachwuchskräfte

Die Ausbildungswege im Journalismus sind lang: Erst mal Abi, dann ein Studium, dann eine betriebliche Ausbildung, Volontariat genannt. Nicht jede/jeder Nachwuchsjournalist will so lange warten, bis sein oder ihr Name dann endlich mal über einem Artikel steht. Die cleversten von ihnen beginnen deshalb früh, sich im Lokalen auszuprobieren. Das ist eine harte Schule, aber eine gute: Nirgendwo sonst darf man so schnell selbst machen. Nirgendwo sonst bekommt man es so schnell und so unmittelbar aufs Brot geschmiert, wenn man dabei Mist baut. Und sei es, dass man morgens beim Bäcker angemault wird, weil man den Namen des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden falsch geschrieben hat. Das MT gewinnt dabei trotzdem: Nämlich einen frischen, unverstellten, jungen Blick.

Regelmäßig bietet die Redaktion Workshops für ihre freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, teils im Verlagsgebäude, teils aushäusig. Hier eine Gruppe “Freier” von Lokal- und Kulturredaktion rund um Lokalredakteurin Nina Conti (Mitte). Foto: Monika Jäger

Die Mischung macht’s

Es ist genau diese Mischung, die eine Zeitung besser, klüger, lebensnäher machen kann. Von alt bis jung, vom Experten bis zum Allrounder, vom Akademiker bis zum Arbeiter. Unsere Schreiber müssen genauso vielfältig sein wie unsere Leser. Deshalb tun wir einiges, um diese Mischung auch zu kultivieren: Für unsere Freien gibt es Seminare, Fortbildungen, Austauschrunden – damit wir in Kontakt bleiben und nicht bloß Texte und Fotos per E-Mail austauschen. Neue Freie sind immer hochwillkommen, Termine und Ansprechpartner siehe unten:

Von Nadine Conti, Lokalredaktion

(Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form auch in unserem Mitarbeiter- und Kunden-Magazin “johann!”, Ausgabe Frühjahr 2018)

Termine 2018

Standards vermitteln, neue Zugänge zu bekannten Themen finden – in 2018 stehen bisher folgende Workshops auf dem Programm:

  • Fotoworkshop I: „Jenseits des Gruppenfotos – Standardsituationen besser abbilden“ am 14. März.
  • Textworkshop: „Veranstaltungsberichte“ am 12. Juni.
  • Fotoworkshop II: „Licht & Bewegung“ am 14. September.

Foto-Workshop mit dem externen Referenten Axel Bürger. Foto: Nadine Schwan

Interessiert?

Kabarett, Kaninchenzucht, Konzerte von Klassik bis Heavy Metal, Kleinkaliber-Schützen – die Welt des Lokaljournalismus ist vielseitig. Menschen, die schreiben können, gerne fotografieren, am besten in Kombination, und dazu noch ein spezielles Interessensgebiet haben, sind als Freie Mitarbeiter beim MT gefragt. Im Gegenzug gibt es ein kleines Honorar, aber vor allem freien Eintritt zu Veranstaltungen (in der Regel zwei Karten).

Wer Interesse an einer abwechslungsreichen Tätigkeit hat, im Schwerpunkt zwischen Freitag und Sonntag, der meldet sich bei MT-Ausbildungsredakteurin Nadine Conti, Telefon 0571/882-263. Gerne auch per Mail: Nadine.Conti(at)MT.de.

 

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