Daily Archives: 24. Dezember 2018

48-seitige MT-Sonderausgabe “Willkommen Zuhause!” für alle Haushalte

Mit Weihnachtsliedern ist das so eine Sache. Sie nerven, wenn sie wochenlang aus den Lautsprechern dudelnd den Einkauf begleiten. Sie entfalten manchmal aber auch eine große Kraft. Ein Lied, dasmich sehr berührt, ist „Driving home for Christmas“ von Chris Rea. Es ist nicht allein die nette Melodie, die mich anspricht, sondern der Grundgedanke des Textes: Zu Weihnachten geht es nach Hause.

Egal, wo ich innerhalb der zurückliegenden Jahre gelebt habe, das eine hatten alle Orte gemeinsam: An Weihnachten fuhr ich nach Hause. Das war und ist ein beruhigender, manchmal ein tröstlicher Gedanke. Was auch immer gerade los ist. Wie sehr auch immer die eigene Welt gerade wanken mag. Wenn auch sonst kaum etwas mehr sicher scheinen mag. Das eine doch: Zu Weihnachten geht es nach Hause.

Was diesen Gedanken so tröstlich macht, das sind die Menschen. Wenn Chris Rea singt: „Oh, I can’t wait to see those faces“ (zu Deutsch: „Ich kann es kaum erwarten, endlich die bekannten Gesichter wiederzusehen“), dann trifft es das genau. Was wäre eine Gegend ohne die Menschen, die wir kennen, schätzen und lieben. Vielleicht ist das der weihnachtlichste aller Gedanken schlechthin. Es geht nicht darum, möglichst große Geschenke zu machen, möglichst viel zu bekommen, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Weihnachten, das wäre am meisten dann, wenn Menschen zusammenkommen und sich nahe sind, die sich mögen und die zusammen eine gute Zeit verbringen. Wenn wir uns gegenseitig zu Geschenken würden, dann wäre das eine wahrhaft frohe Botschaft.

Screenshot aus dem MT-ePaper

Ein bisschen ist das auch der Grundgedanke des Hefts, das vor Ihnen liegt und das in diesem Jahr zum ersten Mal erscheint. Wenn Menschen zu Weihnachten, für die Zeit zwischen den Jahren und zum Jahreswechsel zurück nach Hause kommen, zurück in ihre alte Heimat, dann ist das für die Heimat eine gute Gelegenheit, sich ein bisschen ins Zeug zu legen und zu zeigen, wie lebenswert und anziehend sie ist. Denn die Region braucht dringend Menschen, die mit Begeisterung zurückkehren. Firmen suchen händeringend nach Fachkräften und bieten im Gegenzug spannende berufliche Perspektiven an. Das Freizeitangebot stimmt, das kulturelle Angebot sowieso. Die Schullandschaft ist attraktiv, die Umgebung von teils unberührter Natur. Die Wohnungsmieten sind weit erschwinglicher als in den Metropolen.

MT-Chefredakteur Benjamin Piel. Foto: BDZV

Als Neuer in der Region weiß ich, wovon ich spreche. Meine Frau, unsere drei Kinder und ich bereuen den Neustart in Minden-Lübbecke ganz und gar nicht. Wir fühlen uns wohl, schätzen die Vielfalt der Region und die vielen freundlichen Menschen, die um uns herum leben. Sollten Sie also gerade zu Weihnachten und den Jahreswechsel zu Besuch sein bei Ihren Lieben und mit dem Gedanken spielen, in Ihre Heimat zurückzukehren, dann haben Sie den Mut, diesem Gedanken Raum zu geben. Die Chancen, dass es sich lohnt, waren vielleicht nie so groß wie jetzt. Ihr wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieser Sonderveröffentlichung!

„I can’t wait to see those faces

Von Benjamin Piel, Chefredakteur

Die Sonderausgabe finden Sie hier als eMag. Zudem steht es im MT-ePaper und der ePaper-App zum Abruf bereit. Als PDF (25,8MB) können Sie sie hier downloaden.

„Es geht um Freude“ – Leiter Rüdiger Konrad will das Programm der Musikschule ausbauen (#200in365, No.95)

Rüdiger Konrad leitet die Portaner Musikschule und unterrichtet selbst die Instrumente Trompete und Posaune. MT-Foto: Piel

Knapp 800 Schülerinnen und Schüler hat die Musikschule Porta Westfalica. Leiter Rüdiger Konrad steht seit sieben Jahren einem Kollegium von sechs Angestellten und 18 Honorarkräften vor. Er ist froh, dass das Interesse an musikalischem Unterricht ungebrochen ist. Der Lehrer für Trompete und Posaune will aber zunehmend auch neue Schülergruppen erschließen.

Liegt es noch im Trend, ein Instrument zu lernen?

Am Interesse hat sich nichts geändert. Viele Eltern wissen, dass es nicht nur darum geht, ein Instrument zu erlernen, sondern dass musikalischer Unterricht auch viele andere Dinge positiv beeinflusst, etwa die Merkfähigkeit oder das Durchhaltevermögen.

Aber ohne Spaß geht doch nichts, oder?

Spaß ist mir zu oberflächlich. Es geht eher um Freude. Die entsteht durch Erfolge und die Erfolge sind ein Ergebnis von Arbeit. Es geht also um einen Prozess, nicht um schnell, schnell. Die digitale Welt gibt viel vor – mit einem Knopfdruck ist alles da. Für die Kreativität ist das kontraproduktiv. Der Musikunterricht setzt andere Akzente. Dafür ist die Begeisterung des Lehrenden sehr wichtig. Mit merklich schlechter Laune in den Unterricht zu gehen, das funktioniert nicht.

Welches Instrument ist eigentlich das beliebteste?

Das Klavier ist ungebrochen stark nachgefragt, auch Geige geht gut. Alles andere bewegt sich gleichmäßig auf einem Niveau.

Sie haben sicher viele Kinder und Jugendliche als Schüler. Reicht Ihnen das?

Das ist durchaus ein großes Thema. Bisher gibt es nur wenige erwachsene Musikschüler. Mein Ziel ist eine Schule, die Angebote für alle Altersgruppen macht – vom Baby bis zum Senior. Es ist aber gar nicht so einfach, das Spektrum zu erweitern. Angebote für Eltern mit kleinen Kindern haben wir, da geht es eher um das Musikerleben. Den Bereich der Senioren möchte ich gerne ausbauen.

Warum?

Weil Menschen ab 65 Jahren Zeit haben und womöglich auch Lust, sich wieder oder zum ersten Mal mit einem Instrument zu beschäftigen. Es gibt Studien, die belegen, dass die Gehirne von Musizierenden rund fünf Jahre jünger sind als die Gehirne von Nichtmusizierenden. Musizieren hält fit, es ist gut für die Beweglichkeit und Motorik. An dem Punkt möchte ich gerne ansetzen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn es braucht ein stimmiges Format. Ich stelle mir eine elementare Musikerziehung für Erwachsene vor und eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Instrumenten.

Wie steht es um die Finanzierung?

Etwas mehr als 50 Prozent unserer Kosten spielen wir durch Beiträge ein. Dieser Deckungsgrad ist leicht überdurchschnittlich. Ich bin dankbar, dass die Politik immer hinter uns gestanden und unsere Existenz nie infrage gestellt hat. Auch nicht in Zeiten, als der Spardruck groß gewesen ist.

Sie haben der Kunstbildung eine Tür geöffnet. Wieso?

Wir haben Kunstkurse in unser Programm integriert, weil Aspekte wie Malen, Zeichnen, Fotografie, Steinbildhauerei oder eine Theaterwerkstatt gut zur musikalischen Bildung passen. Wir wollen uns solchen neuen Formen öffnen, ohne das Bewährte vom Tisch zu fegen. Die Kunstkurse nehmen Kinder und Erwachsene übrigens gleichermaßen gut an.

Von Benjamin Piel, Chefredakteur

Meine Woche: Weihnachten und Termine – Spontaneität zum Fest


Der Baum ist im Ständer, die Geschenke sind verpackt. Jetzt kann Weihnachten kommen. Ganz ruhig und besinnlich soll das Fest der Liebe ablaufen – das ist mein Plan, dem ich meist doch nie so folgen kann, wie ich es mir vornehme.

Macht nichts. Denn das Weihnachtsfest lebt vor allem von seinen Überraschungen. Womöglich steht ein Freund nach unzähligen Jahren plötzlich unangemeldet vor der Tür? Oder es flattert einem eine spontane Einladung zum Essen ins Haus? Vielleicht starte ich auch selbst einen Überraschungsbesuch? Spontaneität ist Trumpf beim Fest der Liebe. Lange Planungen im Voraus finde ich nur hinderlich.

Trotzdem sind manche Szenarien vorhersehbar. Die Kirchen sind am Heiligen Abend rappelvoll, die Straßen dafür wie leer gefegt und mein Sohn wird sich wieder darüber ärgern, dass er den Weihnachtsmann auch in diesem Jahr knapp verpasst hat. Dass der alte Mann mit dem weißen Rauschebart eine Spielekonsole unter den Tannenbaum legt, hat er mir schon verraten. So weiß ich bereits jetzt, dass ich den größten Teil des Heiligen Abends vor dem Bildschirm verbringe.

Weihnachten kommt – und geht auch wieder. Was wir mit der relativ kurzen Zeit dazwischen anfangen, liegt allein an uns.

Von Carsten Korfesmeyer, Lokalredaktion