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Meine Woche: Fast Sex: Sommerbad: ein Ort – zwei Welten

Anja Peper. Foto: pr

Wir tobten, wir planschten, tauchten unter und hatten Sex. Zumindest fast. In der Theorie. Denn hinter der kollektiv großen Klappe steckte: nichts. Wir pirschten uns zwar mit Sonnencreme-Tuben an. Manche Jungs haben nie kapiert, dass es uns beim Eincremen gar nicht in erster Linie um die Vermeidung von Hautkrebs ging. UVA und UVB?? Waren uns gleichermaßen schnurz. Vielleicht irgendwann knutschen (!) – das war das Ziel dieser Nachmittage.

Sommer, Sonne, Sommerbad: Wir hatten kein Handy und brauchten auch keines. Es war ja klar, dass wir uns nach der Schule auf der Liegewiese trafen. Wir kamen uns wahnsinnig erwachsen vor, wenn wir mit ein paar Mark Taschengeld zum Tresen gingen und sagten: „Zwei Pommes und ein Brauner Bär!“

Das ist Jahrzehnte her. In dieser Woche gehe ich seit langer Zeit mal wieder ins Sommerbad. Es geht nicht ums Toben und Knutschen, sondern ums Bohren, um den Zeitplan und natürlich um Geld. Die Becken werden saniert, neue Technik wird installiert, die Sommerumkleide renoviert. Die Leute vom Förderverein erzählen, das MT schreibt’s auf.

Also, liebe Kinder, fürs Protokoll: So sieht das aus im Leben berufstätiger Erwachsener. Jetzt wird der ein oder andere vielleicht denken: Na gut. Ist schon wichtig zur Dokumentation und so. Betrifft Generationen. Wobei: Themen wie „Folienverkleidung“, „automatisierte Chlorgasanlage“ und „Finanzbeschaffung“ … Alles richtig und wichtig, aber nicht so aufregend wie „fast Sex“. Um also diesem Tag etwas Prickeln zu verleihen: Einfach ein Tütchen Ahoj-Brause. Auf Ex!

Von Anja Peper, Lokalredaktion

 

Meine Woche: Nahrung für die Liebe – Über den Zauber eines Gedenktages

Der Valentinstag ist ja einer der wichtigsten Gedenktage der Welt. Und eigentlich auch einer der einfachsten. Am kommenden Donnerstag ist es endlich wieder so weit: Angeleitet von den cleveren Marketing-Abteilungen der internationalen Blumen-, Schaumwein- und Pralinenindustrie kann eigentlich nichts mehr schief gehen, wenn es an der Zeit ist, große Gefühle zu zeigen.

Mit tollen Ideen helfen diese Unternehmen quasi selbstlos, den seit Jahrzehnten steigenden Scheidungsraten wirksam entgegen zu treten. Welche Frau, welcher Mann entbrennt nicht von neuem in Liebe, wenn sie oder er – anders als an allen anderen Tagen im Jahr – kurz mal auf Händen getragen, auf Rosen gebettet wird? Und so könnte alles so einfach sein! Ist es aber nicht – nicht mehr: Ausgerechnet deutsche Discounter machen plötzlich das seit langer Zeit idiotensichere Konzept unserer Freunde von der anderen Atlantikseite kaputt.

Es war am Samstagmorgen, als mein Weltbild ins Wanken geriet: Beim Durchblättern der Angebote sprang mir gleich dem pulsierenden Doppelschlag meines Herzens zweifach diese famose Idee der Marketing-Genies zweier Discounter entgegen. Sie, diese selbstlosen Gehilfen des geflügelten Liebesgottes, wollen mir helfen! Der Pfeil, den sie auf die Sehne Amors gelegt haben, um die alles verzehrende Flamme meiner Liebe mit frischem Brennmaterial zu versorgen? Kalter roher Fisch. Ein Sushi-Herz. Wie romantisch.

Ich gebe zu, ins Grübeln gekommen zu sein. Keine Rosen, die ich an diesem Tag zum Schnäppchenpreis bekomme? Kein prickelnder Fusel, der mit einem Valentinstag-Etikett jeden Preis wert ist? Keine Schoko-Schächtelchen mit roter Schleife? Stattdessen die mit kaltem Reis, Algen und Fisch gefüllte herzige Plastikschale? Und darf man das überhaupt? Das auf einem frühchristlichen römischen Märtyrer basierende, von britischen und amerikanischen Unternehmen perfektionierte und somit fast ureigene deutsche Fest der Liebe mit Sojasoße japanisieren?

Immerhin, nachdem ich mich Stunden später gefangen hatte, brachte mich der Marketingcoup der Discounter auf eine ebenfalls geradezu brillante Idee, mit der ich am Valentinstag ein Herz im Sturm erobern werde. Die Antwort eines großen ostwestfälischen Romantikers auf Valentinstags-Sushi: Der Mett-Igel in Herzform. Mit extra Zwiebeln.

Liebe kann so schön sein.

Von Jan Henning Rogge, Digitale Inhalte

Meine Woche: #ProjektComeback Thema: Football in Minden

Foto: pr

Einfach mal schnell an dem Abwehrspieler vorbeihuschen zu wollen, kann eine wirklich schlechte Idee sein. Der Pferdekuss am linken Oberschenkel hat drei Tage gehalten, damals, 1991 in Nebraska. Ein kleiner Willkommensgruß an den unbedarften Austauschschüler aus Deutschland. Seit dem Volltreffer, den Clint Littell mir beim ersten Training mit Polstern verpasst hat, habe ich kurz vor dem Einschlag jedes Mal die Schulter runtergenommen. Immerhin was gelernt.

Trotzdem gibt es sicher einfachere Wege, auf den Verlust seiner Jugend zu reagieren, als sich auf einem Sportplatz vermöbeln zu lassen. Vor allem, weil die anderen da inzwischen deutlich jünger sind. Seit Clints Tackle sind mehr als 27 Jahre vergangen. Weil aber der Porsche zu teuer ist, für das Motorrad der Führerschein fehlt und ich für Golf nun wirklich nicht einen Hauch Talent habe, kommt das Probetraining für eine neue FootballMannschaft in Minden gerade recht. Da soll es für jede Größe und für jedes Gewicht eine Chance geben – vielleicht ja auch für (fast) jedes Alter.

Ich starte deshalb in dieser Woche das #ProjektComeback – nach der Super-Bowl-Nacht allerdings mit einer großen Portion Müdigkeit. Trotzdem haben die Organisatoren den Termin für das Tryout am kommenden Samstag perfekt gewählt. Immer mehr Menschen entdecken diese faszinierende Sportart für sich, und wenn die NFL bis August Pause macht, können die Mindener am eigenen Leib erfahren, was es heißt, Football zu spielen.

Seit meinem letzten Spiel sind alle Prellungen längst vergessen – ehrlich gesagt waren es auch gar nicht so viele. Denn unterm Strich geht es um etwas ganz anderes: um ein Team mit einem gemeinsamen Plan, um Vertrauen zu seinen Mitspielern und vor allem um das gute Gefühl, dass jeder Einzelne gebraucht wird. In jedem einzelnen Spielzug. Wenn in einer Maschine ein Rädchen fehlt, funktioniert sie nicht mehr. Das ist Football.

Für einen Platz in der Startaufstellung mag es nicht mehr reichen. Das muss es aber auch nicht. Wichtiger ist die persönliche Herausforderung – und die Erinnerung an einen heißen Spätsommer in Nebraska, das erste Training auf einem halb verdorrten Rasen, den einen großen Sieg und die vielen kleinen, schönen Momente. Von mir aus auch an Clints Volltreffer. Böse Zungen mögen das Midlife Crisis nennen. Für mich ist es das #ProjektComeback.

Henning Wandel begleitet das Projekt auf seinem Facebook-Account und auf Instagram (h.wandel).

Von Henning Wandel, Lokalredaktion