„Zeitungen sind der Kitt der Gesellschaft“

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, hat an Politik und Wirtschaft appelliert, die elementare Aufgabe der Zeitungen in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft nicht nur anzuerkennen, sondern auch zu honorieren. „Zeitungen sind der Kitt unserer Gesellschaft“, sagte Heinen am 20. September 2010 anlässlich der Eröffnung des Zeitungskongresses 2010 in Essen. Es nütze wenig, wenn die wichtige Rolle der Zeitungen in Sonntagsreden gewürdigt werde, der Branche jedoch ein scharfer Wind aus Politik und Wirtschaft entgegen blase, sobald es um vernünftige und verlässliche Rahmenbedingungen gehe.

BDZV-Präsident Helmut Heinen

In einer Zeit, in der dank Internet und Online immer mehr Nachrichten auf die Bürger ungefiltert einströmten, sehe er es als besonders wichtige Aufgabe an, die Grundprinzipien der Zeitung zu bewahren, sagte der BDZV-Präsident weiter, „also die glaubwürdige Nachricht, die geprüfte Information, die seriöse Quelle“. Und dies gelte unabhängig von der Frage, ob die Zukunft der Zeitung langfristig in der Produktion gedruckter Ausgaben liege. „Die Zeitungen bleiben die erste Adresse für kompetente und zuverlässige Berichterstattung – von der großen Politik und Wirtschaft bis in die kleinen Stadtteile hinein, und zwar gedruckt, online und mobil.“

„Voraussetzung dafür sind gute Rahmenbedingungen“, sagte Heinen weiter. Die Verleger wollten nicht länger hinnehmen, dass aufwendig produzierte Qualitätsinhalte der Verlage von Dritten kommerziell genutzt würden, ohne dass dafür eine Vergütung zurückfließe.

Zu den Rahmenbedingungen gehöre auch, so der BDZV-Präsident weiter, die Erhaltung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Presseerzeugnisse. Zeitungen seien „ein Grundnahrungsmittel, so überlebensnotwendig wie Brot und Butter. Sie sind schlicht unverzichtbar für die Information der Bevölkerung wie für das Funktionieren unserer Demokratie.“

Harte Kritik äußerte der BDZV-Präsident am Internet-Engagement der der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die mit ihren gebühren-finanzierten Online-Auftritten jede Marktentwicklung konterkarierten. Die Verbreitung von textbasierten Portalen oder Apps über alle Verteilkanäle habe nichts mehr mit Rundfunk zu tun.

Eine Absage erteilte der BDZV-Präsident allen Vorschlägen, die Presse wie in anderen europäischen Ländern über Subventionen zu fördern. Staatsgeld für die Presse verstoße gegen den Geist der auf Unabhängigkeit angelegten Medienordnung.

Die Zukunftsperspektiven der Zeitung sieht der BDZV optimistisch: Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland abonnierten oder kauften täglich eine Zeitung. „Keine Haushaltsabgabe oder Rundfunkgebühr ist dafür verantwortlich, sondern allein der freie Wille und Wunsch der Leser.“ An einem durchschnittlichen Tag griffen rund 49 Millionen Bürger zur gedruckten Zeitung. Die Reichweite liege bei knapp 70 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahren. Ferner griffen mehr als 50 Prozent der Internetnutzer regelmäßig auf Online-Zeitungsangebote zu.  Spitzenwerte erreiche die gedruckte Tageszeitung vor allem bei den so genannten Premium-Zielgruppen, den Gutverdienenden (72,8 Prozent) und den Gutausgebildeten (75,8 Prozent). Aber auch Jugendliche und junge Leute, für die das Internet mittlerweile eine sehr große Bedeutung habe, griffen zu 50 Prozent zur gedruckten Information.

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