Monthly Archives: September 2017

Stellt die Informationsflut lediglich eine Informationsillusion her?

Renate Köcher vom Institut für Demoskopie in Allensbach stellte beim BDZV-Konress in Stuttgart eine Studie über die Auswirkungen der Informationsflut vor. Foto: BDZV

Die unendliche Fülle der zur Verfügung stehenden Informationen führt in Teilen der Gesellschaft zu einer Informationsillusion. Das erklärte die Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), Professor Dr. Renate Köcher, beim Jahreskongress des BDZV in Stuttgart. Die Meinungsforscherin warnte vor den gesellschaftlichen Auswirkungen: „Eine sinnvolle Selektion aus der Überfülle und eine disziplinierte Organisation des eigenen Informationsverhaltens sind Herausforderungen, die teilweise zu einer neuen Spaltung der Gesellschaft führen – nämlich in diejenigen, die von dem breiteren Informationsangebot profitieren und tatsächlich besser informiert sind, und in diejenigen, denen es schwerfällt, ihre Information in dieser Überfülle und Schnelligkeit des Angebotes sinnvoll zu organisieren.“

Köcher erläuterte anhand ihrer im Auftrag des BDZV angefertigten Studie mit dem Titel „Die informierte Gesellschaft – Fakt oder Illusion?“, dass die Fülle der verfügbaren Informationen zu einer schärferen Selektion führe, andererseits ein guter Informationsstand oft definiert werde als „auf dem Laufenden sein, wissen, was gerade passiert“. Dabei gehe es jedoch nicht um ein tieferes Verständnis der Ereignisse, ihrer Ursachen und Konsequenzen. 52 Prozent der Bevölkerung informierten, wie die Untersuchung ergeben habe, mehrmals täglich über die neuesten Nachrichten; 42 Prozent präferierten knappe und kurze Informationen; nur 31 Prozent legten großen Wert darauf, sich gründlich zu informieren. Jeder Zweite halte 15 bis maximal 30 Minuten oder weniger täglich für ausreichend, um einen guten Informationsstand zu sichern.

Große Mehrheit fühlt sich besser informiert als früher

Laut Studie ist die große Mehrheit der Bürger Deutschlands subjektiv davon überzeugt, dass der Informationsstand heute generell höher ist als vor Einführung des Internets. Mit Blick auf das eigene Wissen ziehe die überwältigende Mehrheit sogar eine ausgesprochen positive Bilanz, führte Köcher aus. 72 Prozent stuften sich in Bezug auf das aktuelle Geschehen als gut informiert ein. Vor diesem Hintergrund liege die Frage nahe, „ob die stete Konfrontation mit einem schier unerschöpflichen Informationsangebot nicht nur zu einem höheren Informationsstand führt, sondern teilweise auch zu einer Informationsillusion?“.

Diese Vermutung werde in der Studie partiell bestätigt, erklärte die Meinungsforscherin, denn schon konkretere Nachfragen, bei welchen Themen man sich denn gut informiert fühle, führten zu einer wesentlich bescheideneren Bilanz: Stehe etwa abstrakt das weltweite Geschehen zur Diskussion, stuften sich 61 Prozent der gesamten Bevölkerung als gut informiert ein. Jede Konkretisierung reduziere diese Selbstbeinschätzung jedoch drastisch. So seien beispielsweise nur 29 Prozent der Befragten überzeugt, dass sie auch in Bezug auf aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit Russland gut informiert seien; in Bezug auf die Politik der Europäischen Kommission oder die Beschlüsse des europäischen Parlaments sei es gerade einmal jeder Fünfte.

Die Auswirkungen seien insbesondere bei jungen Menschen zu beobachten: Das Interessenspektrum unter 30-Jähriger habe sich in den vergangenen 15 Jahren stark verengt. Dies liegt laut Studie daran, dass Jugendliche sich heute früh daran gewöhnten, primär Informationen zu Themen zu suchen, die sie von vornherein interessieren. „Interesse für Politik oder Wirtschaft ist jedoch nicht naturgegeben und entsteht auch nicht plötzlich, sondern im Allgemeinen durch die kontinuierliche, geduldige Auseinandersetzung auch mit Themen, die zunächst eher als spröde oder langweilig empfunden werden“, erklärte Köcher. Dieser Prozess komme heute nicht mehr in dem Maß in Gang wie in Zeiten, in denen die regelmäßige Information über ein vorstrukturiertes Angebot in Fernsehen und Printmedien auch in der jungen Generation die Regel gewesen sei. Ihr Fazit: „Die Entwicklung des Interessenspektrums wie auch des Informationsstands der Gesellschaft hängen nicht nur von dem Informationsangebot ab, sondern in hohem Maß von der Bereitschaft und Disziplin, sich kontinuierlich und geduldig zu informieren.“

Hier geht es zur Video-Zusammenfassung des Vortrags

Quelle: BDZV

TV-Magazin „Prisma“ jetzt mit Südausgabe und fünf Millionen Auflage

Den „Prisma“-Service, den Tageszeitungsleser seit nunmehr 40 Jahren zu schätzen wissen, gibt es natürlich auch digital – zum Beispiel auf http://tv.mt.de/. Repro: MT

Seit 40 Jahren produziert der „Prisma“-Verlag, zu dessen Gesellschaftern neben anderen nordrhein-westfälischen Zeitungsverlagen auch das „Mindener Tageblatt“ zählt, erfolgreich das gleichnamige wöchentliche TV-Magazin. Jeden Freitag liegt es auch dem MT bei. Nun setzt der Verlag einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Firmengeschichte: Mit der Gründung der Südausgabe ist das TV-Supplement (so die Branchen-Fachbezeichnung) deutschlandweit mit fünf regionalen Ausgaben vertreten und erreicht damit Tageszeitungsleser in der ganzen Republik. Mit der neuen Südausgabe gewinnt „Prisma“ knapp eine weitere halbe Million Haushalte als Leser dazu. Von Januar 2018 an erhöht sich die Gesamtauflage damit auf rund fünf Millionen Exemplare.

Erst im Mai dieses Jahres ging die Nordausgabe an den Start, jetzt folgt die Südausgabe. Neue Träger­zeitungen sind die „Passauer Neue Presse“ (Passau), die „Heilbronner Stimme“ (Heilbronn), der „Mannheimer Morgen“ (Mannheim), der „Donaukurier“ (Ingolstadt) sowie die „Fränkischen Nachrichten“ (Tauberbischofsheim). Ihnen gemeinsam ist, dass sie in ihrer Region eng verwurzelt sind und ihre Leser sich auf ihre Tageszeitung verlassen.  Der „Mannheimer Morgen“ hatte bisher ein eigenes TV-Magazin, die anderen regionalen Tageszeitungen haben den Anbieter gewechselt.

prisma ist seit über 40 Jahren ein beliebtes und qualitativ hochwertiges Magazin mit täglich 36 Programm- und mehr als 70 Fernsehempfehlungen pro Woche. Verbunden mit einem abwechslungsreichen redaktionellen Mantelteil steht das Supplement mit nun fünf Regionalausgaben hoch in der Gunst der Leser. Aktuell liegt prisma deutschlandweit mehr als 70 Tageszeitungen bei.

Sein Proramm-Service ist auch digital nutzbar. So gibt es auf MT.de das komplette Paket an Programm und Empfehlungen unter http://tv.mt.de/. Auf Smartphones und Tablets hilft eine eigene App bei der Suche nach den ganz persönlichen Programmhighlights:

Bürgerpreis der Zeitungen geht an „Puls Of Europe“-Initiatoren

Darüber freut man sich auch beim Mindener Ableger der bundesweit aktiven Europafreunde: Der zum achten Mal ausgeschriebene Bürgerpreis der deutschen Zeitungen geht an die Gründer der Initiative „Pulse of Europe“, Daniel und Sabine Röder. Das hat die Chefredakteursjury am 18. September 2017 beim Zeitungskongress des BDZV in Stuttgart entschieden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Jury würdigte mit der Auszeichnung das Engagement der beiden Juristen für die europäische Idee. Aus einer kleinen Frankfurter Bewegung sei durch den großem persönlichen Einsatz des Ehepaares eine starke internationale Bewegung geworden. Die feierliche Preisverleihung findet am 14. März 2018 in Berlin statt.

Das Logo des vom Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) vergebenen „Bürgerpreises der Zeitungen“. Repro: MT

Der BDZV hat erstmals 2010 den Preis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement ausgeschrieben. Gewürdigt als „Deutschlands Bürger/Bürgerin des Jahres“ werden Personen, die auch jenseits ihrer eigentlichen Profession Herausragendes für die Gesellschaft leisten. Vorschläge für den Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen können ausschließlich durch die Zeitungen eingereicht werden. Die Jury besteht aus allen Chefredakteuren der BDZV-Mitgliedsverlage. Die Würdigung von Daniel und Sabine Röder geht auf einen Vorschlag von „Frankfurter Neue Presse“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ zurück.

Zuletzt als „Bürger des Jahres“ ausgezeichnet wurde 2016 der Autor und Essayist Navid Kermani wegen seines Engagements für Toleranz und eine zivile Gesellschaft auf Vorschlag von „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“, Bonner „General-Anzeiger“, „Express“ (Köln) sowie der „Rheinischen Post“ (Düsseldorf). Zuvor ging die Würdigung an: Elisabeth Ehninger (nominiert von den „Dresdner Neuesten Nachrichten“), Rupert Neudeck (nominiert vom „Kölner-Stadt-Anzeiger“), Gaby Wentland (nominiert vom „Hamburger Abendblatt“), Nora Weisbrod (nominiert von der „Allgemeinen Zeitung“, Mainz, und dem „Wiesbadener Kurier“), das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer (nominiert von der „Ostsee-Zeitung“, Rostock) sowie als ersten Preisträger 2010 an Thomas Beckmann (nominiert von der „Rheinischen Post“, Düsseldorf).