Monthly Archives: Dezember 2016

„Ohne Vertrauen ist alles Nichts“: Chefredakteur Christoph Pepper zum Jahreswechsel

Nachmittagskonferenz am MT-Newsdesk. Foto: Alex Lehn

Nachmittagskonferenz am MT-Newsdesk. Foto: Alex Lehn

Liebe MT-Leserinnen, liebe MT-Leser,

von Brexit bis Trump, von Paris und Nizza bis Berlin, von Syrien und Irak bis zur Türkei, von Fußball-EM bis Olympia – ereignislos war das Jahr 2016 gewiss nicht, auch nicht in der Region. Der heute der gedruckten Ausgabe beigelegte  Jahresrückblick des MT fasst sich auf seinen immerhin 100 Seiten wie gewohnt kurz und muss dennoch wieder vieles von dem weglassen, was während der vergangenen 365 Tage in Heimat und Welt passierte. Wenn Sie darin also etwas Ihnen ganz besonders Wichtiges vermissen sollten, steckt vermutlich kein Übersehen dahinter, sondern die Qual der Auswahl.

305 Ausgaben der gedruckten Zeitung (die auch 2016 wieder mehrfach für Konzept und Gestaltung ausgezeichnet wurde) hat die Redaktion bis zum Jahresende produziert, mit einem durchschnittlichen Umfang von etwas mehr als 50 Seiten. Dazu kam eine Fülle an Magazinen, Sonderbeilagen, Ratgebern und Extra-Produkten (wie der nun schon seit einigen Jahren in dieser speziellen Magazin-Form produzierte Jahresrückblick). Besonders erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang die zwei auch in diesem Jahr wieder als „MT für alle“ (Haushalte) erstellten Sonderausgaben „Stadt mit Plus“ und „160 Jahre“, in die wir viel redaktionelles Herzblut investiert haben und für die wir viel Zuspruch erhielten. Wie das Hauptblatt als ePaper sind auch nahezu alle Zusatzproduktionen seit Längerem stets in digitaler Version verfügbar und somit über Rechner wie über Mobilgeräte, dort teils auch als App, komfortabel zu nutzen.

Rund um die Uhr wird zudem unsere Online-Ausgabe MT.de – die im Februar 2017 ihren 20. Geburtstag feiern wird – mit zusätzlichen redaktionellen Inhalten bestückt, oft interaktiv und multimedial. Videos, interaktive Grafiken, Download-Dokumente, Multimedia-Formate wie Pageflow oder Audioslides gehören heute wie selbstverständlich zum journalistischen Werkzeugkasten. Ein Newsletter informiert Abonnenten per E-Mail über die wichtigsten lokalen Themen des Tages. Wir nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram und YouTube zur Verbreitung lokaler Informationen. Mit der MT-Mediabox ist 2016 ein weiterer digitaler Kanal mit öffentlich zugänglichen Kurzinformationen aus der Redaktion entstanden, die über Bildschirme in Wartezonen und anderen Frequenzbereichen verbreitet werden. Und die Entwicklung steht nicht still: Aktuell arbeiten wir an einer mit der Homepage verknüpften Kurznachrichten-App für Smartphones und Tablets.

Die Titelseite des Jahresrückblicks 2016. Er ist auch als eMag in digitaler Fporm abrufbar. Rpro: MT

Die Titelseite des Jahresrückblicks 2016. Er ist auch als eMag in digitaler Version abrufbar. Rpro: MT

160 Jahre nach Erscheinen des ersten MT-Vorläufers im Jahr 1856 hat sich der Takt journalistischer Arbeit massiv beschleunigt – eine Zeitungsredaktion ist heute praktisch 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in Betrieb. Die einmal von ihr erarbeiteten Inhalte wiederum stehen, Internetverbindung vorausgesetzt, dauerhaft nur einen Mausklick entfernt zur Nutzung im digitalen Archiv bereit – zurück bis zum Ersterscheinungstag am 5. Juli 1856.

Gleichzeitig haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen des Zeitungsmachens grundlegend verändert. Das klassische „Kerngeschäft“ wird zwar immer noch vom bedruckten Papier getragen, doch dessen Auflagen gehen in allen klassischen Zeitungsländern bekanntlich seit Jahren kontinuierlich zurück. Zwar steigt gleichzeitig die digitale Reichweite, dafür aber muss noch ein auskömmliches Geschäftsmodell gefunden werden. Mit der Etablierung von Bezahlinhalten sind dem Verlag hier erste erfolgreiche Schritte auf einem zweifellos noch längeren Weg gelungen. Auf inzwischen mehr als 3000 zahlende Kunden für digitale Inhalte lässt sich jedenfalls aufbauen. Wir arbeiten intensiv daran, den ideellen Mehrwert der traditionsreichen, am Ort verwurzelten selbstständigen Heimatzeitung für die Kommunikation der Bürgergesellschaft auch im Zeitalter des Medienwandels erlebbar zu machen.

Auf welchem Weg und über welchen Kanal auch immer die Ergebnisse unserer journalistischen Arbeit verbreitet werden, die Grundlage jeglichen Erfolgs bleibt jedoch das Vertrauen der Leserinnen und Leser. Vertrauen in die redaktionelle Leistung, Vertrauen vor allem auch in deren Unabhängigkeit, Seriosität und Zuverlässigkeit. Seit nunmehr 160 Jahren arbeiten wir hart für dieses Vertrauen; sich für diese Arbeit kritisieren und in Frage stellen zu lassen, gehört dazu. Auch 2017 wollen wir wieder täglich eine gute Zeitung machen, verspricht Ihnen

Ihr Christoph Pepper, Chefredakteur

Das sind die Gewinner der MT-Aktion „Warum unsere Oma die coolste ist“

Umrahmt von ihren Liebsten stehen die Gewinner-Omas Agnes Prieß (l.) und Bärbel Schmidt zusammen mit Sabine und Luise Hewett und Silke Schmidt (v.l.). MT-Foto: Nadine Schwan

Umrahmt von ihren Liebsten stehen die Gewinner-Omas Agnes Prieß (l.) und Bärbel Schmidt zusammen mit Sabine und Luise Hewett und Silke Schmidt (v.l.).
MT-Foto: Nadine Schwan

Eins steht fest: Die Menschen in der Region lieben ihre Großmütter sehr. Insgesamt 34 Einsendungen mit vielen tollen Fotos, rührenden Geschichten, selbst gemalten Bildern und Gedichten sind in den vergangenen Monaten beim Mindener Tageblatt eingegangen.
Aufgerufen hatte das MT Anfang November in Zusammenarbeit mit Optik Birkenkämper. Das Ziel: Die coolsten Omas der Region ausfindig zu machen.

Mitmachen konnten die Teilnehmer dabei in drei Kategorien: „Oma und wir“, „Oma im Herzen“ und auch auf Instagram unter dem Hashtag #MTinstagranny. Nun stehen die Gewinner fest:
Den Hauptpreis (400-Euro-Gutschein von Optik Birkenkämper) in der Kategorie „Oma und wir“ hat Agnes Prieß gewonnen. Ihre Enkelin Louise (9) hatte den Fragebogen über ihre Oma liebevoll ausgefüllt und mit eigenen Zeichnungen versehen.

Außerdem konnten sich in dieser Kategorie Jasmin Bosen mit Oma Margot Wahle, Familie Fiedler mit Oma Brigitte und Oma Barbara Brandt mit ihren Enkeln Jara und Finja bereits über jeweils zwei Karten für den Weihnachtszauber in Bückeburg freuen.

In der Kategorie „Oma im Herzen“ hat Silke Schmidt mit ihrer Mutter Bärbel den Hauptpreis (zwei Karten für das Heinz-Erhardt-Dinner im Hotel-Restaurant „Schaumburger Ritter“ in Rinteln) gewonnen. Silke Schmidt reichte für ihre Mutter ein altes Schwarz-Weiß-Foto ein, auf dem vier Generationen der Familie abgebildet sind.

Über Buchpakete freuen sich Anke Schrader, Jule Zanders und Nicole Kruse. Karten für ein vom MT präsentiertes Event gingen an Doris Uehlmann und Kathrin Nagel.

In der dritten Kategorie #MTinstagranny steht nun auch die Gewinner-Oma fest. Über ein Fotoshooting mit ihren Enkeln darf sich Ingrid Dieckmann freuen. Sie hatten die Großmutter gleich viermal in dem sozialen Netzwerk Instagram ins Rennen geschickt.

Das Mindener Tageblatt bedankt sich noch einmal herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ganz besonders bei den tollen Omas.

Alle Oma-Geschichten gibt es unter
www.mt.de/oma

Warum eine Lokalzeitung auch über Kanarienvogelzüchter berichtet

Den Bericht über Kanrienvogelzüchter Hans Harting (links in der Print-Ansicht) fand Leser S. aus Minden empörend. Rechts "BossuBelge"-Kanarien in Ruhestellung. Fotos: MT/Lyrath

Frankenstein-Vögel? Den Bericht über Kanarienvogelzüchter Hans Harting (links in der Print-Ansicht) fand Leser S. aus Minden empörend. Rechts zwei der im Artikel beschriebenen „BossuBelge“-Kanarien in Ruhestellung. Fotos: MT/Lyrath

Von: lesername@mailadresse
Gesendet: Mittwoch, 28. Dezember 2016 12:31
An: Redaktion Lokales
Betreff: Kanarienvogelzüchter!!!!!

An den Chefredakteur/in-Geschäftsleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Artikel vom „Weltmeister der Kanarien-Züchter“ empört mich zutiefst. Wie krank muss man sein um solch einen Frankenstein-Vogel zu züchten. Ist das Gleiche wie die perversen Hundezüchter, die todkranke Hund züchten. Und wie gedankenlos sind solche Schreiber. Das Sie das als „Top“ einstufen und noch eine ganze Seite dazu bringen ist mit zuwider. Ich werde bei Wiederholung derartiger Entgleisungen kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

Lesername

ANTWORT DER CHEFREDAKTION

Von: christoph.pepper@mt.de
Gesendet: Mittwoch, 28. Dezember 2016 17:33
An: Lesername, Mailadresse
Betreff: Re: Kanarienvogelzüchter!!!!!

Sehr geehrter Herr Lesername,

danke für Ihre eindeutige Meinungsäußerung, die wir auch gern als Leserbrief veröffentlichen werden.

In der Tat kann man Tierzucht in den von Ihnen genannten Formen geschmacklos und abstoßend finden. Mir sind in diesem speziellen Fall allerdings weder Proteste von Tierschutzorganisationen bekannt noch politische oder sonstige Bemühungen, die – ja zum Beispiel Qualzuchten ausdrücklich verbietenden – Tierschutzgesetze in diesem Bereich auszuweiten. Wir müssen also zur Kenntnis nehmen, dass die Kanarienvogelzucht (die es übrigens seit Mitte des 16.Jahrhunderts gibt) im westeuropäischen Kulturkreis nach wie vor zu den gesellschaftlich akzeptierten und rechtlich regulierten Formen der Freizeitbeschäftigung zählt, der auch in Deutschland Tausende von Menschen in organisierter Form nachgehen.

Damit gehören sie auch zum Themenkreis einer Lokalzeitung, die sich mit den Menschen ihrer Region beschäftigt. Und über Positurkanarien-Züchter  ebenso berichtet wie sie über die Gründung und die Aktivitäten einer Bürgerinitiative berichten würde, die sich die Bekämpfung dieses Verhaltens auf die Fahne schriebe. Dass nicht immer alle unsere Themen allen Leserinnen und Lesern schmecken, ist uns bei unserer Arbeit bewusst. Vermeiden können wir es nicht, wenn wir die gesellschaftliche Realität in unserem Berichterstattungsgebiet abbilden wollen – und das ist unser Anspruch. Gern werden wir aber bei künftiger, ähnlich gelagerter Berichterstattung über Kanarienzüchter auch mal um Stellungnahmen bezüglich kritischer Positionen wie der Ihren bitten.

Mit freundlichen Grüßen

MINDENER TAGEBLATT / MT.de

Christoph Pepper, Chefredakteur

PS: Im Anhang schicke ich Ihnen ein Foto von einem BossuBelge-Kanarienvogel in Ruhestellung (also nicht in Positur), das mir unser Mitarbeiter auf Wunsch zur Verfügung gestellt hat.

 

 

Ein schlechtes Jahr für die Pressefreiheit: DPA-Interview mit „Reporter ohne Grenzen“-Geschäftsführer Christian Mihr

Aus der kürzlich von "Reporter ohne Grenzen" veröffentlichten Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 geht unter anderem hervor, dass zu diesem Zeitpunkt weltweit 348 Journalisten inhaftiert und 52 enführt waren. Grafik: ROG

Aus der kürzlich von „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlichten Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 geht unter anderem hervor, dass zu diesem Zeitpunkt weltweit 348 Journalisten inhaftiert und 52 enführt waren. Grafik: ROG

Die Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen e.V.“  kümmert sich um die dunklen Seiten der Medienwelt, um Unterdrückung der Meinungsfreiheit, Behinderung freier Berichterstattung, Gewalt gegen Journalisten. Es gibt genug Anlass zur Sorge – und zwar nicht nur in weiter Ferne. Aus Sicht von „Reporter ohne Grenzen“ hat sich 2016 vieles zum Schlechten entwickelt. Über zahlen und Fakten hat die Organisation in ihrer kürzlich in zwei Teilen veröffentlichten „Bilanz der Pressefreiheit 2016“ berichtet.

Zahlreiche inhaftierte Journalisten, Fake-News, die politische Entscheidungen beeinflussen, zerfallende Staaten, in denen Meinungsfreiheit nicht zählt: Für den Geschäftsführer der Organisation, Christian Mihr, gibt es viele Gründe, sich Sorgen zu machen − auch mit Blick in Richtung Ankara. Von der Bundesregierung wünscht er sich klarere Worte, sagte Mihr Andreas Heimann von der Deutschen Presse-Agentur im Interview.

War 2016 ein herausragend schlechtes Jahr für die Pressefreiheit?

Herausragend schlecht war, dass wir einen dramatischen Anstieg an Inhaftierungen von Journalisten haben. Und das ist eine neue Entwicklung, was zum einen mit der Türkei zu tun hat, aber es ist auch insgesamt eine klare Verschlechterung. Was weiter anhaltend schlecht ist, ist das Problem von zerfallenden Staaten.

Was sind Beispiele für solche Länder, in denen die Pressefreiheit besonders gefährdet ist?

Afghanistan ist ein klassisches Beispiel, auch wenn das in Deutschland nicht gerne gehört wird, weil man immer versucht, es als sicher darzustellen. In diesem Jahr ist die Zahl der Nothilfeanfragen von Journalisten aus Afghanistan, die sich an uns wenden mit der Bitte um Unterstützung, deutlich höher als im Vorjahr, weil in vielen Regionen der Staat nicht mehr funktioniert und regionale Warlords das Zepter führen. Ein unterschätztes Beispiel ist der Jemen, ein Land, wo wir eine hohe Zahl von Entführungen sehen, aber auch Somalia.

In vielen Ländern sah es schon am Anfang des Jahres nicht gut aus, wo ist es noch schlimmer geworden?

Ich sehe schon einige größere Trends, die sich global zuspitzen. Da kann man etwa nach Kolumbien gucken, zum Beispiel auf das Thema Fake-News. Es gab ja in Kolumbien ein Referendum zum Friedensprozess, wo alle überrascht waren, dass eine Mehrheit ihn abgelehnt hat. Aber letztlich war die ganze Kampagne gegen das Friedensabkommen basierend auf Fake-News und Lügen. Und das sehe ich seitdem viel schärfer als Herausforderung und als weltweites Problem für die Medienfreiheit − dass da parallele Öffentlichkeiten entstehen, die unerreichbar erscheinen für andere Medien. Was mich mit Sorge umtreibt, und das sehe ich in vielen Ländern, das sind auch allzu schnelle Vorschläge, etwas löschen zu wollen. Wenn man sieht, wie russische und chinesische Medien auf solche Debatten reagieren, da wird das sehr begrüßt, weil es eine Steilvorlage für autoritäre Regime ist. Solche Versuche, Hatespeech zu verhindern, können am Ende zur Unterdrückung von Meinungen führen, wie wir das in vielen Ländern sehen. Da ist vieles gut gemeint, aber wir müssen das gesellschaftlich lösen.

Die "Weltkarte der Pressefreiheit 2016" nach den Erkenntnissen von "Reporter ohne Grenzen", auf der Homepage gibt es eine interaktive Variante. Grafik: ROG.

Die „Weltkarte der Pressefreiheit 2016“ nach den Erkenntnissen von „Reporter ohne Grenzen“, auf der Homepage gibt es eine interaktive Variante. Grafik: ROG.

Ein Land, das viel in den Schlagzeilen war, ist die Türkei.

Die Türkei ist natürlich ein Land, in dem sich seit Juli massiv etwas verändert hat, weil die Zahl der Inhaftierungen so in die Höhe gegangen ist. Die Türkei hat uns allerdings auch vorher schon sehr beschäftigt.

Kann man in der Türkei noch von Pressefreiheit sprechen?

Es gibt immer noch kleine Inseln der Pressefreiheit, es gibt noch Zeitungen wie „Cumhuriyet“, auch wenn dort viele Journalisten verhaftet wurden. Es gibt Plattformen im Internet und neue Projekte, die versuchen, unabhängigen Journalismus zu machen. Auch „Hürriyet“ ist eine Zeitung, wo das versucht wird. Aber es gibt auch ein Klima der Angst, das habe ich bei meinen letzten Besuchen selbst erlebt. Journalisten überlegen, mit wem treffe ich mich, wann telefoniere ich oder sagen dem Taxifahrer nicht, wo genau man hin will, sondern man steigt an einer Straßenecke aus. Das ist schon ein Klima der Angst und das hat sich auch von Monat zu Monat verschärft.

Erol Önderoglu, der Türkei-Vertreter von Reporter ohne Grenzen, muss sich in Istanbul in einem Prozess wegen angeblicher Terrorpropaganda verantworten. Wie ist da der Stand der Dinge?

Das Verfahren ist nicht eingestellt, der Prozess geht im Januar weiter, und ihm drohen auch nach wie vor viele Jahre Haft. Der Vorwurf der Unterstützung von Terrorpropaganda ist nicht fallengelassen worden.

Die Türkei lag ja schon vor dem Putschversuch im Juli auf der Rangliste der Pressefreiheit weit hinten auf Platz 151 von 180 Ländern. Wie sehen Sie die Chancen, dass sich das ändert?

Der Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen e.V." Christian Mihr NFoto: Dietmar Gust/Reporter Ohne Grenzen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen e.V.“ Christian Mihr NFoto: Dietmar Gust/Reporter Ohne Grenzen/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Die kurzfristige Perspektive ist, glaube ich, düster. Und ich neige nicht zu Schwarzmalerei. Aber es sind natürlich nicht die ersten Repressionen, die wir in der Türkei erleben. Da gab es immer Rückwärts- und Vorwärtsbewegungen. Wenn man das als historisches Muster nimmt, kann man davon ausgehen, dass es auch wieder besser wird. Das denke ich schon. Aber es gibt etwa in der Bundesregierung eine falsche Rücksichtnahme auf die türkische Regierung. Ich glaube schon, dass man zu wolkig ist, wenn es um Kritik geht an der Türkei. Es ist gut, dass es Abgeordnete gibt, die Patenschaften für türkische Journalisten übernehmen. Aber es wäre noch etwas anderes, wenn es von Regierungspolitikern käme. Frau Merkel kann ja auch ganz anders, das haben wir in China und Russland gesehen.

Gibt es Länder, in denen sich die Situation für Journalisten verschlechtert hat, ohne dass wir das in Deutschland zur Kenntnis nehmen?

Jemen empfinde ich als so ein Land, wo wir eine sehr hohe Zahl von Entführungen haben, ein Land, das zerfällt und sich im Kriegszustand befindet. Ein Land, das wir überhaupt nicht auf dem Schirm haben, ist Gambia, das seit vielen Jahren sehr repressiv regiert wird. Aber es gibt auch solche Länder, die noch viel näher sind wie Serbien und Kroatien, wo Medien und Journalisten zunehmendem Druck gegenüberstehen.

Die Organisation führt auf ihrer Homepage ein permanent aktualisiertes "Barometer der Pressefreiheit". Grafik: ROG

Die Organisation führt auf ihrer Homepage ein permanent aktualisiertes „Barometer der Pressefreiheit“. Grafik: ROG

Gibt es auch Lichtblicke? Hat sich die Situation in manchen Ländern verbessert?

Ja, ich würde sagen, da sollte man Sri Lanka und Kolumbien nennen. In Sri Lanka ist ein Präsident abgetreten, der lange Jahre dafür verantwortlich war, dass es für Journalisten ein Klima der Angst gab. Das hat sich geändert. Kolumbien ist auch ein Land, in dem große Hoffnung besteht, dass mit dem Friedensprozess die Drohungen und die Gewalt gegen Journalisten weniger werden.

Am Anfang des Jahres gab es nach Angriffen auf Journalisten − zum Beispiel bei Pegida-Demonstrationen − Sorge um die Pressefreiheit in Deutschland. Wie sehen Sie das heute?

Ich habe den Eindruck, da ist ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten. Dass einige Journalisten sich nach wie vor nicht trauen, ohne Personenschutz zu solchen Demonstrationen zu gehen, ist ein Problem. Das hat sich etabliert. Zugespitzt kann man sagen, das ist inzwischen der Normalzustand.

ZUR PERSON: Christian Mihr (40) ist Geschäftsführer bei Reporter ohne Grenzen. Er hat in Eichstätt und Santiago de Chile Journalistik und Lateinamerikanistik studiert und unter anderem bei Print- und Onlinemedien in Deutschland und Ecuador gearbeitet. Daneben ist er Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen und Dozent in der journalistischen Weiterbildung.

MT-Verlagsgebäude grüßt zum Weihnachtsfest von der Titelseite

Winterlicher Sonnenuntergang vor dem Wiehengebirge, ein hell erleuchtetes Haus mitten im schon abendlich dunklen MIndn: Genau hier wird täglich das Mindener Tageblatt gemacht. Der auf dem Foto zu knapp zwei Dritteln zu erkennende Gebäudekomplex in der oberen Altstadt, entlang des Trockenhofs zwischen Obermarkt- und Ritterstraße gelegen, beherbergt in der dritten Etage die Redaktion, in den weiteren Etagen befinden sich Verlagsabteilungen. Mit diesem Foto, das MT-Mitarbeiter Volker Knickmeyer vom Turm der benachbarten Martini-Kirche schoss, grüßen Redaktion und Verlag zum Weihnachtsfest 2016 von der Titelseite des MT. Auch der Schriftzug im Titelkopf hat, wie schon in den vergangenen Jahren, einen kleinen festlichen Schmuck erhalten, für den wieder Fotograf und Illustrator Alex Lehn verantwortlich zeichnet. Nicht nur gedruckt: Der „Weihnachtstitel“ fand während der Feiertage auch auf der Startseite von MT.de Verwendung.