Die Wege, Menschen für klassische Musik zu begeistern, sind manchmal auf ersten Blick ungewöhlich. So habe ich in dieser Woche die Yellow Lounge besucht – eine Veranstaltung, die die Klassikfirma mit dem gelben Label an verschiedenen Orten in Berlin durchführt. Einmal im Monat wird an einem, für klassische Musik ungewöhlichen, Ort ein Konzert gegeben – mit anschließender Disco. Diesmal war es das Berliner Cookies – ein bekannter Club mit angeschlossenem vegetarischen Restaurant. Der Musiker: Daniel Hope. Ein begnadeter Geiger, der gerade mit einer CD über Barockkomponisten auf Tournee ist. Was ungewöhlich wirkt ist aber nichts anderes, als die Rückkehr zu den Anfängen des Konzertbetriebes in vergangenen Jahrhunderten. Klassik war Volksmusik. Sie wurde in Kneipen und anderen Orten sozialer Kontakte aufgeführt. Sie war Begleitung und Hintergrund – und sie sollte vor allem unterhalten. Damit war zumindest an diesem Abend Daniel Hope zurück zu den konzertanten Wurzeln der barocken Komponisten gekehrt. Voller Spielfreude begeisterten Händel, Bach und andere ein Publikum, dass sich wohl nicht regelmäßig in der Berliner Philharmonie wiedersieht. Eine innovative Art, diese Wurzel unserer Kultur auch im 21. Jahrhundert zu präsentieren. Ein lauter Klub kann den Konzertsaal mit seiner optimalen Akustik nicht ersetzen – aber er kann unter erschwerenden Hörbedingungen Besucher für Konzertsäle hinzugewinnen.
Ihr Steffen Kampeter